Liebe Leserinnen und Leser,
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jetzt mischt sich sogar der Papst ein. Leo XIV. rief zuerst Russlands Machthaber Wladimir Putin an, dann den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – und warb für eine Waffenruhe. Nein, keine umfassende (der würde Russland wohl ohnehin nicht zustimmen, und der Papst hat das offenbar endlich begriffen). Sondern für eine begrenzte, nahe der russisch besetzten Frontstadt Oleschky. Das Ziel: Ein humanitärer Korridor soll geschaffen werden.
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Der ukrainische Ombudsmann für Menschenrechte, Dmytro Lubinez, zeigte sich zuletzt optimistisch: Russland und die Ukraine stünden kurz vor einer Einigung, die die Evakuierung von Zivilisten aus Oleschky ermöglichen solle, sagte er am Sonntag.
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Oleschky liegt keine sechs Kilometer Luftlinie vom Stadtzentrum Chersons entfernt, am anderen Ufer des Dnipro, mitten in der „Todeszone“, wo Drohnen die Luft beherrschen. Russlands Armee hungert die dortige Bevölkerung – oder besser: das, was von ihr übrig ist – seit Wochen und Monaten aus. Seit Mai lassen Moskaus Soldaten keine Lebensmittel, keine Medikamente und kein sauberes Wasser mehr in die Stadt, deren Zufahrtsstraßen sie vermint haben. (Was Angehörige über die Lage vor Ort berichten, habe ich vor einigen Wochen hier aufgeschrieben .)
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Elwina Osmanowa, Mitarbeiterin der regionalen Militärverwaltung in Cherson, bleibt skeptisch. Sie schrieb mir heute per Messenger, dass „unsere Appelle keinerlei Bedeutung“ für Russland hätten. Und weiter: „Sie werden die Stadt weiterhin blockieren.“
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Doch das heißt nicht, dass keine Zivilisten aus der Hungerhölle Oleschky entkommen können. Freiwillige evakuieren seit Wochen Menschen aus der Frontstadt. Doch die müssen sich diesen Schritt erst zutrauen, sagte mir Andreas Tölke am Telefon. Der Aktivist aus Berlin hat die NGO „Be An Angel“ mitgegründet und organisiert unter anderem Evakuierungen aus Oleschky.
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In den vergangenen rund zehn Tagen brachten er und andere Freiwillige 39 Menschen von dort in den von Kyjiw kontrollierten Teil der Ukraine. „Der erste Schritt ist der gefährlichste: Die Menschen müssen sich entscheiden, ob sie bleiben und verhungern, oder 20 Kilometer bis in den nächsten Ort durch einen Minengürtel laufen.“
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Wer das schafft, begibt sich mit Helfern auf eine mehrtägige Reise durch besetztes Gebiet, über die Grenze nach Russland und dann nach Belarus. Im ukrainischen Konsulat in Minsk müssen die Menschen, denen die Besatzer meist russische Pässe aufgezwungen haben, ukrainische Dokumente beantragen. Gelingt das, können sie über den einzigen offenen Checkpoint von Belarus in die Ukraine einreisen.
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Die Evakuierung kostet pro Person 500 Euro, sagt Tölke. „Fahrtkosten, Unterbringen, Botschaftsgebühren, manchmal bleiben die Menschen unterwegs hängen.“ Oft verlangen russische Beamte an Checkpoints Schmiergeld. „Wer behauptet, man könne den Wert eines Menschenlebens nicht beziffern, liegt falsch. Das ist unfassbar zynisch“, sagt Tölke. Er sieht, wie das deutsche Interesse an der Ukraine und damit die Spendenbereitschaft immer weiter sinken. Doch er weiß auch, dass er „nicht jeden retten kann“.
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Im Moment sei eine 64-jährige Frau auf dem Weg, die ihre Beine durch eine Mine verloren habe, erzählt Tölke. Seiner Erfahrung nach ziehen viele Evakuierte wieder in die Nähe ihrer Heimatregion – aber eben auf die ukrainisch kontrollierte Seite. Für die Menschen aus Oleschky heißt das: Sie gehen in die Region Cherson, wo sie oft Verwandte und ein soziales Netz vorfinden, aber auch in Reichweite russischer FPV-Drohnen und Gleitbomben weiterleben.
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Die wichtigsten Nachrichten des Tages
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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, ist nach Oslo gereist, um US-Unterhändler Steve Witkoff zu treffen.
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USA wollen Selenskyj offenbar wirtschaftliche Vorteile für Gebietsverzicht anbieten. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump versucht nach Angaben der „New York Times“, die Ukraine zu einem Friedensabkommen mit Russland zu bewegen, das territoriale Zugeständnisse im Donbas vorsehen könnte. Im Gegenzug soll Washington Kyjiw mögliche wirtschaftliche Vorteile in Aussicht stellen. Die amerikanische Position soll Selenskyj wohl bei den Gesprächen am Dienstag in Oslo von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff vorgestellt werden. |
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Kreml hofft auf baldiges Treffen von Putin und US-Sondergesandtem Witkoff. Der Kreml hofft auf ein baldiges Treffen zwischen Präsident Wladimir Putin und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff in Russland, um über den Friedensprozess für die Ukraine zu beraten, sagt Kremlsprecher Dmitri Peskow. US-Medien zufolge könnte ein Treffen zwischen Witkoff und Putin am Mittwoch in Sankt Petersburg stattfinden. |
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Russland weitet Angriffe auf ukrainisches Stromnetz aus. Russland hat seine Luftangriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur auf den bislang weitgehend verschonten Westen des Landes ausgeweitet. Bei den Angriffen am Dienstag kam es in mehreren Regionen zu Stromausfällen. „Leider greift der Feind unsere Energieversorgung weiterhin gezielt und systematisch an“, sagte der stellvertretende ukrainische Energieminister Artem Nekrasow in einer Fernsehansprache. Betroffen seien die Regionen Schytomyr, Lwiw, Riwne, Ternopil und Chmelnyzkyj, die zentrale Region Kirowohrad sowie Odesa im Süden. |
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Ukraine meldet insgesamt sieben Tote nach russischen Luftangriffen. Bei einem russischen Luftangriff in der Region um Kyjiw sind in der Nacht nach örtlichen Angaben drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Bei Angriffen in Saporischschja im Südosten wurde ein weiterer Mensch getötet, wie der Chef der regionalen Militärverwaltung, Iwan Fedorow, bekanntgab. Außerdem wurden bei einem russischen Angriff in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk mindestens drei Zivilisten getötet. |
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Russische Ölpumpstation in der Region Tambow in Brand gesetzt. In der Nacht zu Dienstag ist offenbar eine Ölpumpstation in der Nähe der russischen Stadt Michurinsk in der Region Tambov in Brand geraten. Der Gouverneur der Region, Jewgenij Perwyschow, machte ukrainische Drohnen dafür verantwortlich und teilte mit, dass die russische Flugabwehr in der Nacht vier Drohnen abgeschossen habe. Das unabhängige russische Online-Medium „Astra“ berichtet, dass das Feuer wohl in der Förder- und Umschlagstation Nikolskoye ausgebrochen sei. Die Anlage wird von Transneft betrieben und ist Teil der „Druzhba“-Pipelinenetzes, das unter anderem Öl nach Ungarn liefert. |
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Der US-Präsident will um jeden Preis eine Wirtschaftspartnerschaft mit Russland. Deshalb setzt er Kyjiw unter Druck. Das Problem: Selenskyj kann das nicht einfach ignorieren.
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Im Streit mit Selenskyj attestiert der US-Präsident Russland ein angeblich harmloses Vorgehen in der Ukraine. Die Kriegsverbrechen von Putins Armee blendet er dabei völlig aus.
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Der ukrainische Präsident beklagt, dass Washington Abfangraketen zurückhält. Sie seien von europäischer Seite „bereits bezahlt“ worden. US-Präsident Trump kontert: „Selenskyj weiß nicht, wovon er spricht.“
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Ich bezweifle ja stark, dass die US-geführten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine bis zur nächsten Newsletter-Ausgabe am Donnerstag zu einem Ergebnis kommen. Über alle Entwicklungen informieren wir Sie natürlich dennoch laufend auf tagesspiegel.de.
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Machen Sie’s gut – wir lesen uns übermorgen wieder, wenn Sie mögen!
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