Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine – direkt aus dem Ressort Internationales.
Oleschky hungert: Freiwillige und Angehörige von Einwohnern berichten + Wadephul dringt auf Lösung für mehr Getreideexporte über das Schwarze Meer + Moskau droht Nato mit Atomwaffeneinsatz +
Liebe Leserinnen und Leser,
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Berichten über die von Russland besetzten Gebiete ist so eine Sache. Unabhängige Informationen von vor Ort sind so gut wie nicht zu bekommen. Was als Journalistin bleibt, ist, mit so vielen Quellen wie möglich zu sprechen und sich letztlich der Realität anzunähern.
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Das haben meine Kollegin Yulia Valova und ich versucht – und ein Puzzle über die Lage in der besetzten Frontstadt Oleschky bei Cherson zusammengesetzt. Berichten zufolge wird die Stadt von Russlands Armee ausgehungert, werden Zufahrtstraßen vermint und Hilfslieferungen sabotiert oder geplündert. Offiziellen ukrainischen Angaben zufolge würden sich noch etwa 2000 Menschen, darunter etwa 50 Kinder, in Oleschky befinden – eine Zahl, die nicht unabhängig überprüfbar ist.
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Es kursieren auch Berichte, dass die Einwohner, um irgendwie zu überleben, Gras oder gar ihre Haustiere essen würden. Das wollte eine Vertreterin der Chersoner Militärverwaltung mir nicht bestätigen. Dennoch wecke bei ihr das, was sie über die Lage in Oleschky wisse, Erinnerungen an den Holodomor, den sowjetischen Hungergenozid an den Ukrainern in den Jahren 1932 und 1933.
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Um die Aussagen der ukrainischen Behörden, so gut es geht, zu überprüfen, hat meine Kollegin Yulia Valova mit Freiwilligen und Angehörigen von Einwohnern gesprochen. Etwa mit Marjana Kyrylenko. Ihre Eltern leben noch vor Ort. Zu ihrem Schutz haben wir ihren Namen geändert. Sie berichtet, dass ihre Eltern einen Brunnen und daher immerhin Wasser zum Trinken hätten.
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Seit Russland im Frühjahr 2023 den Kachowka-Staudamm sprengte, ist Oleschky von der Wasserversorgung abgeschnitten. Kyrylenko könne etwa zwei Mal die Woche per Messenger mit ihren Eltern kommunizieren. „Sie haben zwei Hühner, also gibt es Eier. Sie sagen, in ihrem Alter brauchen sie nicht mehr viel. Zum Essen reicht es, die Nachbarn sind in der Nähe. So wollen sie irgendwie weiterleben, bis zum Frühling durchhalten.“
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Je länger die Blockade andauert, desto unmenschlicher wird die Lage für die Zivilbevölkerung vor Ort werden. Die UN sprachen bereits im Juni von einer „aussichtslosen“ Situation. Aber eine Freiwillige, mit der meine Kollegin sprechen konnte, erhebt auch einen schwerwiegenden Vorwurf gegenüber der ukrainischen Öffentlichkeit.
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Die wichtigsten Nachrichten des Tages
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Die ukrainische Stadt Oleschky im Jahr 2023 nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms. (Bild: dpa)
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Bericht: Wadephul dringt auf Lösung für mehr Getreideexporte übers Schwarze Meer. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) dringt einem Bericht zufolge auf eine Lösung, um wieder mehr Getreideexporte sowohl aus der Ukraine als auch aus Russland zu ermöglichen. „Die Welt braucht diese Exporte dringend. Werden sie weiter von Russland verhindert, dann drohen Hunger, Destabilisierung und die resultierenden Fluchtbewegungen, auch nach Europa“, sagte Wadephul dem Nachrichtenportal Web.de News (Donnerstag). Eine partielle Waffenruhe wäre ein „erster Schritt“, sagte der CDU-Politiker. |
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Russland setzt offenbar erstmals „stahlzerschneidende“ Drohne mit Jetantrieb ein. Bei einem Luftangriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur in der Nacht auf Mittwoch hat die russische Armee wohl erstmals eine Drohne mit einem Sprengkopf, der Stahl zerstören kann, eingesetzt. Das teilte der Berater des ukrainischen Präsidenten, Serhii „Flash“ Beskrestnow am Mittwoch mit. Russland habe die Waffe speziell zur Zerstörung von Umspannwerken und Stahlbrücken entwickelt, sagte er. |
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Moskau droht Nato mit Atomwaffeneinsatz. Russland hat der Nato mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, sollte das Militärbündnis versuchen, die an die Ostsee grenzende Exklave Kaliningrad zu isolieren. Dies geht aus einem informellen diplomatischen Dokument hervor, das Moskau an die Nato verschickt hat. Darin wirft Russland der Allianz einen gefährlichen und rücksichtslosen Kurs vor. Dieser berge ein hohes Risiko für den Ausbruch eines direkten bewaffneten Konflikts. Ein hochrangiger europäischer Behördenvertreter aus dem Verteidigungsbereich nannte den Vorgang ernst. Es sei das erste Mal seit dem Kalten Krieg, dass Russland eine derartige Drohung ausspreche. |
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Russland greift wieder Kyjiw und Odesa an. Bei russischen Luftangriffen ist nach Angaben ukrainischer Behörden in der Nacht in Kyjiw und Odesa jeweils ein Mensch verletzt worden. In Odesa wurde zudem Infrastruktur beschädigt, wie der Leiter der Militärverwaltung der Region, Serhij Lyssak, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mitteilt. Einzelheiten nennt er nicht. Das russische Verteidigungsministerium erklärt auf Telegram, die Streitkräfte hätten bei ihren Angriffen ein Logistikzentrum in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw, ein Rechenzentrum in Odesa sowie ein Frachtschiff im nahegelegenen Schwarzmeer-Hafen Tschornomorsk getroffen. Die Ziele seien militärisch genutzt worden. |
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Der russische Präsident hat die Soldatenzahl der Armee weiter erhöht. Außerdem sind für 2027 die höchsten Militärausgaben seit 2022 geplant.
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Nach Gefechten in Lyman präsentiert die Ukraine medienwirksam 250 russische Kriegsgefangene. Russlands Behörden schweigen dazu. Das kritisieren selbst ultranationalistische Z‑Blogger.
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Für das kommende Jahr plant Moskau wohl Rekordausgaben im Verteidigungsbereich. Derweil sollen die Budgets im sozialen Sektor drastisch gekürzt werden.
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Ich möchte mich mit einer kleinen Bitte verabschieden. Recherchen wie die zu Oleschky sind aufwendig. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, können Sie das tun, indem Sie ein Tagesspiegel-Plus-Abonemennt abschließen. Das hilft uns, unsere Arbeit zu machen und auch künftig schwierigere Recherchen anzugehen.
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Ich freue mich, wenn wir uns am kommenden Dienstag wieder lesen! Bis dahin!
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