Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine – direkt aus dem Ressort Internationales.
Putins Russland verbietet letzter Antikriegspartei Wahlteilnahme + Sechs Tote und 19 Verletzte bei russischem Angriff auf Saporischschja + Iryna und ihr Sohn schlafen jetzt immer in der U-Bahn +
Liebe Leserinnen und Leser,
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Hand aufs Herz: Wie viele Oppositionsparteien in Russland können Sie aus dem Stehgreif aufzählen? Ich gebe zu, eine schwierige Frage. Denn eigentlich gibt es keine. Die, die ins Parlament einziehen, sind „Spoiler-Parteien“. Also Parteien, die vom Kreml ins Leben gerufen und geduldet sind, um den Anschein eines politischen Wettbewerbs zu erwecken. Tatsächliche Opposition findet in Wladimir Putins Russland nicht statt.
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Umso überraschender war es, dass die Oppositionspartei Jabloko, die man guten Gewissens als solche bezeichnen kann, Ende Juli zur Parlamentswahl zugelassen wurde. Eine Partei, die mit dem Slogan „Für Frieden und Freiheit“ antrat, ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine forderte und (vielleicht) über die Fünf-Prozent-Hürde hätte kommen können.
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Konnte das wirklich sein?
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Seit gestern hat die kognitive Dissonanz bei Russland-Beobachtern ein Ende. Der Oberste Gerichtshof entzog Jabloko die Zulassung. Der offizielle Grund: Urheberrechtsverletzungen und angeblich ausländische Finanzierung der Wahlkampagne.
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Es scheint, als habe man unterschätzt, wie viel Zustimmung Jabloko gerade unter jungen Russinnen und Russen aus großen Städten erhalten würde. Die posteten in den vergangenen zwei Wochen Äpfel in Kommentarspalten (denn „Jabloko“ heißt Apfel), einige Hundert Menschen gingen gestern sogar gegen die Gerichtsverhandlung auf die Straße.
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Lassen sich daraus Schlüsse über die russische Gesellschaft ziehen? Ja, teilweise. Spoiler: Einer davon ist sogar halbwegs optimistisch. Aber lesen Sie selbst .
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Die 5 wichtigsten Nachrichten des Tages
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Ausgebrannte Häuser: Nach dem tödlichen Angriff auf Saporischschja in der Nacht auf Dienstag.(Bild: Imago)
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Sechs Tote und 19 Verletzte bei russischem Angriff auf Saporischschja. Russische Truppen haben Saporischschja in der Nacht auf Dienstag massiv mit Raketen und gelenkten Fliegerbomben angegriffen. Nach den jüngsten Angaben des Gouverneurs der Region Saporischschja, Iwan Fedorow, wurden sechs Menschen getötet und weitere 19 verletzt. |
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Ukraine meldet Angriff auf Ölraffinerie im russischen Orsk. Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie in der russischen Stadt Orsk angegriffen. Ziel sei die Raffinerie Orsknefteorgsintez gewesen, teilt das Militär auf Telegram mit. |
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Kyjiw wirft Russland geplante Wahlfälschungen in besetzten Gebieten vor. Die russische Führung will nach Angaben aus Kyjiw bei der bevorstehenden Wahl zur Staatsduma in den besetzten ukrainischen Gebieten eine hohe Wahlbeteiligung und ein vorab festgelegtes Ergebnis sicherstellen. Nach Angaben von Andrij Kowalenko, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, soll die russische Präsidialverwaltung eine Wahlbeteiligung von mehr als 65 bis 70 Prozent sowie mindestens 70 Prozent der Stimmen für die Regierungspartei „Einiges Russland“ vorgegeben haben. |
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Selenskyj: Russland hat neue ballistische Raketen aus Nordkorea erhalten. Russland hat eine neue Lieferung ballistischer Raketen aus Nordkorea erhalten und bereitet die Stationierung eines weiteren nordkoreanischen Kontingents auf russischem Territorium vor. Das erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Laut Selenskyj ist Moskau zunehmend auf die militärische Unterstützung Pjöngjangs angewiesen. |
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Ukraine spricht mit Schweden über Gripen-Unterstützung und Luftabwehr. Die Ukraine hat mit Schweden und Norwegen über eine weitere Stärkung ihrer Luftverteidigung, die Finanzierung von Drohnen und langfristige gemeinsame Verteidigungsprojekte gesprochen. Wie das ukrainische Verteidigungsministerium mitteilte, führte der amtierende Verteidigungsminister der Ukraine, Jewhenij Chmara, Gespräche mit seinem schwedischen Amtskollegen Pål Jonson und dem norwegischen Verteidigungsminister Tore O. Sandvik. |
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Iryna und ihr Sohn suchen Zuflucht vor russischen Raketen. U-Bahnstation Dorohozhytschi in Kyjiw. (Bild: Valeriia Semeniuk/Tagesspiegel)
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Heute Nacht traf es Saporischschja. Sechs Menschen starben. Auch andere Städte, darunter die Hauptstadt Kyjiw, beschoss Russland nachts mit ballistischen Raketen. Mal wieder. Laut ukrainischen Angaben kamen Iskander-Raketen, nordkoreanische Bautypen und der Hyperschall-Marschflugkörper „Zirkon“ zum Einsatz.
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An Nächten wie diesen gehen Iryna und ihr fünfjähriger Sohn in der U-Bahn schlafen. Dann trägt sie auf dem Weg dahin in der einen Hand eine Isomatte, und in der anderen einen kleinen Koffer. Darin: Dokumente, Unterwäsche und Kleidung zum Wechseln.
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„Alles, was wir brauchen, falls, Gott bewahre, unser Haus getroffen wird.“
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Das sagte sie meiner Kollegin Valeriia Semeniuk, die vor Ort in Kyjiw unterwegs war. Sie hat Mutter und Sohn bei deren neuer Abendroutine, zu der russische Raketenangriffe sie zwingen, begleitet. Ich kann Ihnen ihre Reportage nur ans Herz legen.
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Seit Wochen liegt ein Tanker der russischen Schattenflotte nahe einem Naturschutzgebiet auf Grund. Stetig läuft Öl aus. Mittlerweile schlägt die Umweltschutzorganisation Greenpeace Alarm.
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Gegen das „Haus der Wissenschaft und Kultur“ an der Berliner Friedrichstraße gibt es seit Beginn des Ukraine-Kriegs immer wieder Schließungsforderungen. Doch die Rechtslage ist kompliziert.
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Vielen Dank fürs Lesen. Hier geht es, wenn Sie mögen, am Donnerstag weiter – bis dahin!
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