Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Ressort Internationales.
+ Warum das Benzin auf der Krim knapp wird + Bulgarien stoppt Waffenlieferungen an die Ukraine + Strom in Mariupol fällt nach Angriffen aus
Liebe Leserinnen und Leser,
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Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert heute schon so lange wie der Erste Weltkrieg. Doch nicht erst seitdem verdreht Russland ständig die Geschichte, um den Krieg zu rechtfertigen. Ihnen fallen sicher mehrere Beispiele ein, oder? Ein weniger bekannter Mythos ist der von „Noworossija“, auf Deutsch „Neurussland“.
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Diesen Kampfbegriff nutzt der Kreml für den Süden und Osten der Ukraine, den er teils besetzt und als russisch betrachtet. Tatsächlich nannten die russischen Zaren dieses Gebiet ab dem 18. Jahrhundert so. Damals eroberte Katharina die Große die nördliche Schwarzmeerküste.
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Dass Kremlchef Wladimir Putin diesen Begriff 2014 wieder auskramte, kam nicht von ungefähr. Er soll fälschlicherweise vermitteln, dass der Süden der Ukraine zu Russland gehöre, und stellt die Staatlichkeit der Ukraine infrage.
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Mit diesem Wissen wirken die jüngsten Nachrichten von der Krim besonders symbolisch: Zuletzt häuften sich Bilder von dort, die zerstörte Lkws und Rauchschwaden zeigten. Die Ukraine attackierte seit Mitte Mai vermehrt eine Fernstraße, die russisches Festland und die annektierte Halbinsel über den Landweg verbindet. Der Fernstraßencode: R280. Der Name: Noworossija.
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So benannten die russischen Behörden die Straße im Zuge des Ausbaus 2023. Sie ist eine wichtige Versorgungsroute, auch für Treibstoff. Russische Kriegsblogger nennen sie pathetisch „Lebensader“. Auf der Halbinsel wird Benzin wegen der Angriffe seit einigen Tagen rationiert.
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Meine ukrainische Kollegin Valeriia Semeniuk hat die militärische Strategie dahinter analysiert. Ein Militärexperte sagte ihr: „Man muss die Krim nicht einmal unbedingt erobern.“ Beim ersten Lesen hat mich diese Aussage ein wenig erstaunt – doch sie zeigt einmal mehr, dass der Krieg in einer neuen Phase angelangt ist.
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Mariupol zu Beginn der Vollinvasion im März 2022. Russland hat die Stadt zuerst belagert, dann besetzt.
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Die 5 wichtigsten Nachrichten des Tages
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Ukraine meldet Angriff auf Hafen im besetzten Mariupol. Das ukrainische Militär greift nach eigenen Angaben mehrere Einrichtungen im russisch besetzten Hafen von Mariupol an und schränkt dessen Kapazitäten ein. Der Hafen ist nach Angriffen auf die Energie-, Reparatur- und Verwaltungsinfrastruktur ohne Strom, wie die Drohnenstreitkräfte Kyjiws mitteilen. Die Nutzung des Standorts als militärischer Logistikknotenpunkt sei dadurch „erheblich eingeschränkt“. |
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Ukraine verabschiedet Rekord-Wehretat nach Freigabe von EU-Milliarden. Nach der Freigabe von EU-Milliardenhilfen hat das ukrainische Parlament den Weg für Rekordausgaben im Verteidigungsbereich geebnet. Die Abgeordneten stimmten am Mittwoch einer Aufstockung des Haushalts um zusätzlich 1,56 Billionen Hrywnja (etwa 30 Milliarden Euro) für Verteidigung und Sicherheit zu. Damit steigt der gesamte Wehretat für das laufende Jahr auf die Rekordsumme von 4,37 Billionen Hrywnja. |
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Ex-Oberbefehlshaber Saluschnyj liegt in Vertrauensumfrage vor Selenskyj. Der frühere Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und heutige Botschafter in Großbritannien, Walerij Saluschnyj, kommt in einer Vertrauensumfrage auf 73 Prozent. Er liegt damit deutlich vor dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Das geht aus einer Umfrage des Kyjiwer Internationalen Instituts für Soziologie von Anfang Juni hervor. Dem Präsidenten vertrauten demnach 61 Prozent der Befragten. |
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Ukrainische Drohnen treffen historisches Krim-Museum auf der besetzten Halbinsel. Bei massiven ukrainischen Drohnenangriffen auf die annektierte Halbinsel Krim ist ein historisches Museum getroffen worden. Das Dach des Museums in Sewastopol, das an den Krimkrieg von 1853 bis 1856 erinnert, geriet in Brand, wie die örtlichen Behörden am Mittwoch mitteilten. Angaben über Opfer gab es zunächst nicht. |
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Russland meldet Drohnenangriff auf Stadt mit Ölraffinerie. Die russische Stadt Nowokuibyschewsk in der Region Samara wurde nach Angaben des Regionalgouverneurs Wjatscheslaw Fedorischew von Drohnen angegriffen. Der staatliche Ölkonzern Rosneft betreibt in dem Gebiet die Ölraffinerie Nowokuibyschewsk. Der Luftraum über Samara sei gesperrt worden, schrieb Fedorischew auf Telegram, ohne weitere Details zu nennen. |
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„Wir haben schon genug gegeben.“
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Seit etwa einem Monat ist Rumen Radev offiziell im Amt – und schon hat er getan, was viele befürchtet hatten. Der neue Ministerpräsident Bulgariens (früher Präsident, davor Kampfjetpilot) wurde von westlichen Medien wegen seiner prorussischen Ansichten oft als „Orbán 2.0“ bezeichnet . Nun setzt Radevs Regierung um, was viele Bulgar:innen erwartet hatten: Sie stoppt die Waffenlieferungen an die Ukraine.
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Bulgarien war in den vergangenen Jahren ein besonders wichtiger Munitionslieferant für die Ukraine. Nicht zuletzt, weil die bulgarische Rüstungsindustrie sowjetische Kaliber produzieren kann, die in der Ukraine auch verwendet werden. Noch ist unklar, ob Munition die Ukraine weiterhin über Drittländer erreichen kann. In diesem Fall bliebe Radevs Entscheidung vor allem ein Signal an seine prorussischen Wähler:innen. Aus dem Orbán 2.0 würde ein Orbán light.
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Einer neuen ARD-Recherche zufolge sollen Waffen aus ukrainischen Kriegsgebieten auf dem europäischen Schwarzmarkt verkauft werden. Doch Polizeibehörden sind gegen derartiges Kriegsgerät kaum gewappnet.
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Einer neuen Recherche zufolge werden auf Schiffen der russischen Schattenflotte Söldner der berüchtigten Gruppe Wagner als Wachleute eingesetzt. Ihre Aufgaben könnten über das Bewachen hinausgehen.
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Nach meinem Newsletter-Debüt am Montag habe ich nette Zuschriften von einigen von Ihnen bekommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut – aber genauso natürlich über alle, die „still“ mitlesen. Sollten Sie einmal Fragen, Kritik oder Anregungen haben, schreiben Sie mir gern eine Mail!
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Schönen Abend – und bis Freitag!
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