Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine – direkt aus dem Ressort Internationales.
+ Europa streitet sich, Moskau tritt nach + Offenbar neue Drohnenangriffe der Ukraine auf Moskau + Kritik von russischen Militärbloggern an mangelnder Flugabwehr
Liebe Leserinnen und Leser,
|
|
wenn Europa sich streitet, freut sich Moskau. Und tritt nach.
|
|
Vielleicht haben Sie es gelesen oder gehört: EU-Ratspräsident António Costa hat über seinen Kabinettschef Kontakt nach Russland aufgenommen. Um vorsorglich diplomatische Kanäle zu öffnen – für den Tag, an dem Russland sich zu Verhandlungen über ein Kriegsende in der Ukraine einlassen sollte. Was im ersten Moment sinnvoll klingt, war aber höchst ungeschickt. Denn Costa hat im Alleingang gehandelt.
|
|
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht das als „Affront“. Der Christdemokrat hat in der Vergangenheit oft deutlich gemacht: Er will, neben Frankreich und Großbritannien, bei künftigen Gesprächen eine führende Rolle spielen. Costa hätte sich bewusst sein müssen, mit welchen Egos er es zu tun hat.
|
|
Dabei gibt es auch Unterstützung für Costas Vorstoß: Der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs sagte etwa, er wünsche sich, dass der Portugiese für die EU am Verhandlungstisch sitzt. Aber wir wissen ja, wie Medienaufmerksamkeit funktioniert: „Europa streitet sich mal wieder“, ist das, was hängen bleibt.
|
|
Waren die Europäer nicht zum Gipfel zusammengekommen, um Entschlossenheit gegenüber Putin zu demonstrieren? Mission failed. Dabei hatte Russland mit der Abwahl Viktor Orbáns in Ungarn seinen größten Fürsprecher in der EU verloren. Nicht einmal den scheint Moskau mehr zu benötigen. Die Europäer raufen sich auch so. Schade eigentlich!
|
|
Im Kreml wusste man das sogleich für sich zu nutzen. Außenminister Sergej Lawrow sagte, er sehe die Europäische Union ohnehin nicht als geeigneten Verhandlungspartner. Europa sei zu parteiisch und an einer Niederlage Russlands interessiert.
|
|
Der Tagesspiegel liefert verlässliche Informationen – egal wo. Auf Google gibt es nun die Möglichkeit, unsere Inhalte bevorzugt angezeigt zu bekommen. Zwei Klicks genügen.
|
|
Der Tagesspiegel im Überblick: Lernen Sie unsere Berichterstattung kennen – zwei Monate lang für 2 €. Erhalten Sie Zugang zu sorgfältig recherchierten Inhalten, Reportagen und Analysen zu aktuellen Themen aus Berlin und der Welt. Monatlich stehen Ihnen über 1.000 exklusive Artikel zur Verfügung. Jetzt im Probe-Abo entdecken
|
|
|
|
|
Die 5 wichtigsten Nachrichten des Tages
|
|
|
|
Rauch nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Moskau am Donnerstag.
|
|
| • |
Offenbar neue Drohnenangriffe der Ukraine auf Moskau. Nach der Attacke vom Donnerstag scheint die Ukraine erneut Objekte in Moskau mit Drohnen anzugreifen. Darauf deuten nicht verifizierte Berichte und Videos auf Bluesky hin. |
| • |
Ukraine verstärkt offenbar Angriffe auf Hafen in Mariupol. Das ukrainische Erste Asow-Korps weitet seine Angriffe auf russische Logistik- und Versorgungsstrukturen im besetzten Mariupol aus. Wie Reuters berichtet, richteten sich die jüngsten Angriffe gegen die Infrastruktur des Seehafens, den Russland als einen der wichtigsten Nachschubknotenpunkte im Süden der Ukraine nutzt. |
| • |
Toter nach russischem Drohnenangriff auf zwei Frachter. Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben zwei zivile Handelsschiffe im Schwarzen Meer mit Drohnen angegriffen. Ein Besatzungsmitglied eines Schiffes unter der Flagge Panamas sei dabei getötet worden, teilten Vizeregierungschef Olexij Kuleba und die Seehafenverwaltung bei Telegram mit. |
| • |
Kritik von russischen Militärbloggern an mangelnder Flugabwehr. Ultranationalistische Blogger räumten ein, dass ukrainische Drohnen trotz der dichten Luftverteidigung rund um die Hauptstadt strategisch wichtige Ziele erreichen konnten. Das greift eine Analyse des Institute for the Study of War auf. Besonders scharf fiel die Kritik an den staatlichen Medien aus.
Nach Angaben des ISW berichteten die großen Fernsehsender nur eingeschränkt über die Angriffe oder beschränkten sich auf offizielle Verlautbarungen. Mehr zu den russischen Militärbloggern lesen Sie in der Analyse meines Kollegen Andrey Shashkov . |
| • |
Putin muss wegen der Kriegskosten offenbar deutlich mehr Schulden aufnehmen. Russland ist zunehmend auf die Aufnahme von Inlandsschulden angewiesen, um den Krieg von Machthaber Wladimir Putin gegen die Ukraine zu finanzieren, da internationale Sanktionen den Zugang des Kremls zu ausländischen Finanzierungsquellen weitgehend abgeschnitten haben. Das berichtet Bloomberg.
Nach Schätzungen der Nachrichtenagentur könnten die russischen Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 die ursprünglichen Haushaltspläne um vier bis fünf Billionen Rubel (44 bis 55 Milliarden Euro) übersteigen. Das wären fast 40 Prozent mehr als ursprünglich vorgesehen. |
|
|
„Sie wollten, dass ich um Gnade bettle. Aber ich habe keine Reue gezeigt.“
|
|
Das sagte mir der belarussische Journalist Andrzej Poczobut diese Woche im Interview. Er saß fünf Jahre lang als politischer Gefangener in Haft. Im April kam er durch einen Gefangenenaustausch frei, vermittelt durch die USA.
Am Mittwoch nahm Poczobut den Sacharow-Preis für Menschenrechte im Europäischen Parlament in Straßburg entgegen. Er war ihm während seiner Haft verliehen worden, jetzt kann er ihn in Händen halten. Unser Interview fand per Videocall aus dem Parlament heraus statt.
Wir sprachen darüber, warum Poczobut trotz der schrecklichen fünf Jahre wieder nach Belarus zurückkehren will und warum er sich so sicher ist, dass er nicht wieder eingesperrt wird.
Das ganze Interview lesen Sie hier .
|
|
|
|
|
|
|
Der ukrainischen Armee gelingt es, die Krim mehr und mehr zu isolieren. Auffällig aber ist, dass die wichtige Kertsch-Brücke bisher nicht erneut attackiert wurde. Das hat gute Gründe.
|
|
|
|
|
|
|
Zu viele würden gerne einen Frieden in der Ukraine vermitteln. Nur: Worüber wollen sie eigentlich verhandeln mit einem Kremlchef, der gar keine Kompromisse will und jedes Abkommen bricht?
|
|
|
Kommentare
Kommentar veröffentlichen