Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Russland bereitet laut Selenskyj neuen Großangriff vor, russische Drohne schlägt in Rumänien ein, Außenbeauftragte Kallas sieht EU nicht als neutralen Vermittler. Der Überblick.
Liebe Leserinnen und Leser,
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die Ukraine sieht sich nach wie vor mit Einschränkungen konfrontiert, die sie seit Beginn der groß angelegten Invasion Russlands im Februar 2022 behindern. Kyjiw mangelt es an Soldaten, an US-Luftabwehrraketen – und ist stark von europäischen Finanzmitteln abhängig. Das vergangene Jahr war das wohl bisher schlimmste für die Ukraine.
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Doch auf eine Weise, die vor einem Jahr noch unwahrscheinlich schien, scheinen die Bedingungen nun zugunsten der Ukraine zu kippen, analyisiert die „Washington Post“. Die Russen rücken an einigen Stellen zwar noch vor, aber nur um wenige Meter und unter hohen Verlusten an Menschenleben – bis zu 25.000 pro Monat.
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„Die russische Offensive hat deutlich an Schwung verloren“, erklärt Sergei Markov, ein kremlfreundlicher russischer Politologe, der „Washington Post“. Insbesondere die ukrainischen Angriffe aus mittlerer Entfernung hätten die Versorgung der Front mit Nachschub und Soldaten beeinträchtigt, so Markov. „Die russischen Streitkräfte sind nun gezwungen, einen Abstand von mehr als 150 Kilometern zu den ukrainischen Stellungen einzuhalten. Dies schränkt die operative Manövrierfähigkeit ein.“
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Die neue Dimension des Krieges, die die Ukraine mit ihrer Drohnenkampagne für Tiefenschläge eröffnet hat, verunsichert die russische Öffentlichkeit, schwächt die Ölwirtschaft des Landes und zwingt die Kommandeure, Ziele weit hinter der Front zu verteidigen. Im März schoss die Ukraine erstmals mehr Drohnen nach Russland als Russland in die Ukraine, wie ABC News berichtet.
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„Man beginnt sich zu fragen, ob Putins Aura der Allmacht nicht gerade leicht ins Wanken gerät“, sagt Tim Willasey-Wilsey, Senior Fellow am Royal United Services Institute in London, der „Washington Post“. „Wenn die Ukraine ihren schlimmsten Moment im Winter durchlebt hat, dann durchlebt Russland meiner Meinung nach gerade jetzt seinen schlimmsten Moment.“
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Russland bombardiert zwar weiterhin das ukrainische Stromnetz und tötete im April laut Beobachtern der Vereinten Nationen mindestens 238 Zivilisten und verletzte 1404 weitere. Erst am Wochenende flog die russische Armee einen verheerenden Angriff auf Kyjiw.
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Dennoch beginnt die Ukraine den Sommer mit wachsendem Selbstvertrauen. „Man muss sehr vorsichtig mit Prognosen sein“, sagt der ehemaliger stellvertretender Nato-Generalsekretär Gordon B. Davis Jr zur „Washington Post“. „Aber ja, es herrscht Optimismus.“
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Die wichtigsten Nachrichten des Tages
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Russland bereitet nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj einen neuen Großangriff auf die Ukraine vor. Selenskyj berief sich am Freitag in einem Beitrag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram auf Geheimdienst-Erkenntnisse. Er forderte zudem weitere Sanktionen gegen Russland. Mehr dazu im Newsblog. |
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Bei einem russischen Angriff auf die Ukraine ist in der Nacht zum Freitag eine Drohne in ein zehnstöckiges Wohnhaus in der südostrumänischen Grenzstadt Galati eingeschlagen. Bei der Explosion und dem anschließenden Feuer im zehnten Stock wurden nach Angaben der rumänischen Behörden zwei Menschen verletzt. Mehr dazu hier. |
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Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat die europäischen Staaten vor weiteren Drohnen-Vorfällen gewarnt. Es müsse zwar noch geklärt werden, wem die in Rumänien abgestürzte Drohne gehöre. Die europäischen Politiker sollten sich jedoch nicht empören, da sie sich direkt an einem Krieg gegen Russland beteiligten. |
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Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Chemieunternehmen in der südrussischen Region Wolgograd ist nach Angaben des örtlichen Gouverneurs ein Mann getötet worden. In der Region befindet sich eine große Raffinerie des russischen Energiekonzerns Lukoil. |
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Die russische Mittelstreckenrakete Oreschnik befindet sich möglicherweise noch immer in der Erprobungsphase. Zu diesem Schluss kommt das ukrainische Fachportal „Defense Express“. Das Muster der Einschläge spreche dafür, dass ein zentrales Element des Waffensystems bislang nicht ordnungsgemäß funktioniert. |
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Aus Sicht der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas kann die Europäische Union niemals als neutraler Vermittler zwischen Russland und der Ukraine auftreten. „Wir stehen auf der Seite der Ukraine und verteidigen unsere eigenen grundlegenden Sicherheitsinteressen“, erklärte Kallas nach einem informellen Treffen der EU-Außenminister auf Zypern. |
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Russland hat den Verzicht Ungarns auf Waffenlieferungen an die Ukraine als positive Entscheidung gewürdigt. „Wir würden erwarten, dass alle Länder solch eine Entscheidung treffen, dann gäbe es schneller Frieden“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax. |
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Der ukrainische Präsident Selenskyj hat in Polen für Empörung gesorgt, indem er eine Einheit nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannte. Die UPA war im Zweiten Weltkrieg für Massaker an Polen verantwortlich. Polens Regierungschef Donald Tusk erklärte am Freitag, Selenskyjs Entscheidung „verletzt unsere historische Sensibilität“. |
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Eine Deutsche wird neue Chefin der EU-Mission zur Unterstützung des zivilen Sicherheitssektors in der Ukraine. Die Juristin Cornelia Taylor trete den Posten zum 1. Juli an, teilte die Vertretung der EU-Mitgliedstaaten in Brüssel mit. Taylor sei unter anderem wegen ihrer mehr als 20-jährigen Erfahrung in der Leitung komplexer Kriseneinsätze ausgewählt worden. |
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Der Ukraine gelingt es immer besser, sich der russischen Armee zu widersetzen. Ein Problem aber bleibt: Gegen Putins ballistische Raketen braucht es Abfangraketen aus den USA.
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Putins Soldaten misshandeln in der Ukraine nicht nur ihre Gegner – sondern zunehmend auch eigene Kameraden. Gewalt in der Armee hat eine lange Tradition in Russland. Es gibt sogar ein eigenes Wort dafür.
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