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+ Russland schickt selbst verwundete Soldaten wieder an die Front + Putin bei Xi: Erklärung zum Ukraine-Krieg + Drohnenalarm in Litauen +

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Russland und China verabschieden Erklärung zu Ukraine-Krieg, Drohnenalarm in Litauen, Russland kündigt Reaktion auf Drohnenflüge über Baltikum an. Der Nachrichtenüberblick.

Liebe Leserinnen und Leser,

als Wjatscheslaw Kudrjaschew erneut an die Front geschickt wurde, fehlte ihm bereits ein Teil des rechten Arms. Zwei Titanplatten stabilisierten seinen Schädel, nachdem er Jahre zuvor durch eine ukrainische Panzergranate gegen eine Wand geschleudert worden war. Trotzdem gehörte er zu den Soldaten, die Russland vergangenes Jahr bei Kreminna in der Ostukraine in vorderster Linie einsetzte.

Seine Aufgabe: möglichst lange in einem Waldstück auszuhalten, bis weitere Soldaten nachrücken und die Front um einige Meter verschieben könnten. „Die Ukrainer hätten uns dort töten können – niemand hätte erfahren, dass wir tot sind“, sagte Kudrjaschew dem „Wall Street Journal“ (WSJ) in einem ukrainischen Kriegsgefangenenlager ().

Sein Fall zeigt, wie Russland seine Angriffe inzwischen organisiert. Weil ukrainische Drohnen nahezu jede Bewegung entlang der Front entdecken und angreifen können, setzt Russland laut dem Bericht immer seltener auf größere Vorstöße mit Panzern oder gepanzerten Fahrzeugen. Stattdessen schicken Kommandeure kleine Zweiergruppen zu Fuß in umkämpfte Waldstücke, zerstörte Gebäude oder Schützengräben. Die Soldaten sollen Lücken in den ukrainischen Linien nutzen, Gelände besetzen und dort ausharren, bis Verstärkung eintrifft.

Russland nimmt dafür in Kauf. Westliche Militäranalysten und Regierungsvertreter sprechen laut WSJ von rund 25.000 russischen Toten und Verwundeten pro Monat. Zugleich bleiben die Geländegewinne so gering, dass selbst die vollständige Einnahme des Donbass nach Einschätzung von Beobachtern noch Jahre dauern und Hunderttausende weitere Opfer fordern könnte.

Trotz der hohen Verluste schickt Russland nach Darstellung ukrainischer Soldaten weiter immer neue Angreifer nach vorn. Der ukrainische Kommandeur Oleh Schyryajew sagte dem WSJ, seine Einheit habe vor einem Jahr durchschnittlich rund 20 russische Soldaten pro Tag getötet, inzwischen seien es oft 50 bis 60. Videos ukrainischer Drohneneinheiten zeigen immer wieder einzelne russische Soldaten, die über Stunden verfolgt werden.

Russland versucht unterdessen weiter, die eigenen Reihen aufzufüllen. Laut WSJ wirbt die Armee verstärkt in Gefängnissen und Viele der Soldaten erhalten nur wenige Tage Ausbildung, bevor sie an die Front geschickt werden. Wjatscheslaw Kudrjaschew selbst sagte nach seiner Gefangennahme, viele Soldaten hätten inzwischen den Eindruck, der Krieg richte sich vor allem gegen die Ärmsten und Schwächsten im eigenen Land.

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CHINA, BEIJING - MAY 20, 2026: Vladimir Putin L, President of Russia, and his counterpart Xi Jinping of China sign joint documents following bilateral talks at the Great Hall of the People. Putin s official visit marks 25 years since the 2001 Treaty of Good Neighbourliness and Friendly Cooperation between Russia and China. Kristina Solovyova/POOL/TASS PUBLICATIONxNOTxINxRUSxSUI 92773582

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HINTERGRUND UND ANALYSE

FILE PHOTO: U.S. President Donald Trump speaks with Chinese President Xi Jinping while leaving after a visit to the Zhongnanhai Garden in Beijing, China, May 15, 2026. REUTERS/Evan Vucci/Pool/File Photo
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Director Andrey Zvyagintsev poses on the red carpet as he leaves following the screening of the film "Minotaur" (Minotaure) in competition at the 79th Cannes Film Festival in Cannes, France, May 19, 2026. REUTERS/Sarah Meyssonnier
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