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+ Kiews Plan gegen die Patriot-Knappheit + Ukraine wirft Russland Bruch von Feuerpause vor + China liefert Shahed-Komponente an Russland und Iran +

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Ukraine wirft Russland Bruch von Feuerpause vor, Putin hält an Militärparade zum 9. Mai in Moskau fest, China liefert Shahed-Komponente an Russland und Iran. Der Nahrichtenüberblick.

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Russland ballistische Raketen auf ukrainische Städte abfeuert, ist die Ukraine besonders auf Patriot-Systeme und die amerikanischen PAC-3-Abfangraketen angewiesen. Doch genau diese Munition wird, wie wir berichtet haben, seit Beginn des Iran-Krieges knapper.

Die Ukraine versucht weiter, an Patriot-Munition aus den USA zu kommen. Deutschland finanziert bereits einen ukrainischen Vertrag mit der Firma Raytheon über mehrere Hundert Patriot-Raketen.

Zugleich arbeitet Kiew an eigener Technik, die es langfristig weniger abhängig von amerikanischen Vorräten machen soll. „Politico“ berichtet, dass ukrainische Hersteller inzwischen mehrere eigene Raketen- und Luftabwehrprojekte vorantreiben (Quelle hier).

Doch für ein System gegen ballistische Raketen reichen eigene Abfangraketen allein nicht aus. Es braucht leistungsfähige Radare, die Ziele früh erfassen, ihre Flugbahn berechnen und die Abfangraketen führen können. Hinzu kommen moderne Suchköpfe, mit denen die Abfangraketen ihr Ziel direkt treffen. Solche Schlüsseltechnik kann die Ukraine bislang nicht selbst herstellen. Ein ukrainisches Abwehrsystem wäre deshalb auf europäische Partner angewiesen.

Wie das konkret aussehen könnte, zeigt das Projekt „Freya“ des Herstellers Fire Point, der bereits den weitreichenden Marschflugkörper „Flamingo“ produziert. Die Grundidee: Die Ukraine liefert den Werfer und die FP-7, eine von Fire Point entwickelte Rakete, die sich zur Abfangrakete anpassen ließe. Aus Europa müssten die Bauteile und Systeme kommen, die der Ukraine fehlen: Suchköpfe, Radare und Führungsstrukturen. Diese FP-7 beschreibt Fire-Point-Eigentümer Denys Shtilerman gegenüber „Politico“ als sieben Meter lange Leichtrakete aus Verbundmaterial, die 1500 Meter pro Sekunde erreichen könne.

Ursprünglich sei sie als günstigere Alternative zur amerikanischen ATACMS-Rakete gedacht gewesen. Nun soll sie bei Engpässen bestehender Luftabwehrsysteme auch zur Abfangrakete angepasst werden. Entscheidend sei dabei nicht nur die Rakete selbst, sondern ihre Einbindung in europäische Technik. Shtilerman nennt dafür mögliche Komponenten aus mehreren Ländern: Frühwarnradare aus Schweden, Frankreich oder Deutschland, ein dänisches Leit- und Beleuchtungsradar sowie ein norwegisches Führungszentrum.

Ob konkrete Gespräche über eine Zusammenarbeit europäischer Unternehmen mit Fire Point bereits laufen, ließ Shtilerman offen. Klar sagte er dagegen, woran das Projekt scheitern könnte: „Es hängt alles von europäischer Bürokratie ab.“ Denn bei „Freya“ gehe es nicht nur um einzelne Bauteile, sondern um die Abstimmung zwischen mehreren Firmen, Staaten und Militärsystemen.

Heißt: Ob „Freya“ über den Entwurf hinauskommt, hängt damit auch davon ab, ob europäische Firmen und Staaten schnell genug zusammenarbeiten.

DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES

The engine of a Russian strike drone lies among the fire-stricken debris outside a private house, Kharkiv, Ukraine, May 6, 2026. On Wednesday morning, Russian troops attacked Kharkiv with Shahed-type drones. Strikes on residential areas in the Novobavarskyi and Shevchenkivskyi districts injured two people. Photo by Viacheslav Madiievskyi/Ukrinform Russian drone destroys house in Kharkiv PUBLICATIONxNOTxINxRUSxBLR Copyright: xViacheslavxMadiievskyix

Der Motor einer russischen Angriffsdrohne liegt in den Brandtrümmern vor einem Privathaus in Charkiw, Ukraine, am 6. Mai 2026.

Aus Sicht des Kremls läuft der Krieg derzeit nicht wie gewünscht. Zum ersten Mal seit zwei Jahren verliert Putins Armee Gebiet in der Ukraine. Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) analysiert die Gründe. Mehr dazu hier.
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Chinesische Unternehmen liefern in großem Umfang Motoren, Mikrochips und andere Komponenten für die Produktion von Shahed-Kampfdrohnen nach Russland und Iran – trotz der Sanktionen der USA und der EU.
US-Außenminister Marco Rubio und sein russischer Kollege Sergej Lawrow haben nach Angaben aus Washington in einem Telefonat über die Kriege in der Ukraine und im Iran gesprochen. Außerdem seien die „Beziehungen zwischen den USA und Russland“ Thema gewesen.
Die EU hat einen Aufruf an Unternehmen gestartet, sich an der Gründung einer Drohnenallianz mit der Ukraine zu beteiligen. Die Initiative soll die Zusammenarbeit mit der Ukraine intensivieren und die Entwicklung fortgeschrittener Drohnen- und Anti-Drohnen-Technologien unterstützen.
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HINTERGRUND UND ANALYSE

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