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+ Eine Fraueneinheit für den Drohnenkrieg + Drohne trifft Luxus-Wohnhaus in Moskau + Russland verstärkt Angriffe auf ukrainische Häfen massiv +

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Drohne trifft Wohnhaus nahe dem Zentrum Moskaus + Russland verstärkt Drohnenangriffe auf Häfen massiv + Ende des Krieges bleibt laut Selenskyj oberste Priorität +

Liebe Leserinnen und Leser,

Yana Zalevska kommt aus Cherson, war früher Tänzerin und hat eine siebenjährige Tochter. Als die „Financial Times“ sie in einem libanesischen Restaurant in Kiew trifft, ist sie 25 Jahre alt und wirkt weit entfernt von der Front, an die sie immer wieder zurückkehrt (Quelle hier). Dort ist sie Kommandeurin unter dem Namen „Multik“ und steuert FPV-Drohnen.

Zalevska ist gerade dabei, in der 141. Separaten Mechanisierten Brigade eine reine Frauen-FPV-Einheit aufzubauen, sie nennt sie „Amazon Banshees“, heißt es im Bericht. Es ist nicht die erste Einheit dieser Art: Über Frauen-Drohnenteams in der ukrainischen Armee haben wir bereits berichtet T+ Logo. Die Frauen trainieren und fliegen Drohnen in einem Bereich, der für die ukrainische Kriegsführung zentral geworden ist: FPV-Drohnen klären auf, greifen Fahrzeuge und Stellungen an und bestimmen inzwischen viele Bewegungen an der Front.

Bei einem solchen Einsatz nahe Huliaipole war der Reporter der „Financial Times“ dabei. Multik steuerte dort eine Glasfaser-Drohne, also ein Modell, das während des Flugs über ein dünnes Kabel verbunden bleibt und elektronische Störsignale umgehen soll. Als russische Soldaten auf Motorrädern in ihr Bild gerieten, wartete sie, bis sie nah genug beieinander waren, und lenkte die Drohne ins Ziel.

Solche Einsätze sind für die ukrainische Armee längst keine Ausnahme mehr. Vertreter des ukrainischen Militärs und internationale Analysten gehen davon aus, dass FPV-Drohnen inzwischen 70 bis 80 Prozent aller Gefechtsverluste verursachten; Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach im März im britischen Parlament sogar von 90 Prozent. Diese Zahlen sind zwar schwer unabhängig zu überprüfen, aber sie erklären, warum Drohneneinheiten an der Front so stark an Bedeutung gewonnen haben.

Weil beide Seiten elektronische Störsysteme einsetzen, werden Drohnen entwickelt, die die Abwehr umgehen sollen. Zu ihnen gehören die Glasfaser-Modelle, die Multik steuert: Sie sind zwar weniger beweglich und haben nur eine begrenzte Reichweite, können dafür aber ein stabiles Bild liefern. Für die Pilotinnen und Piloten bedeutet das: Sie sehen ihre Ziele klarer, müssen aber in Sekunden entscheiden, während ihre eigenen Positionen ebenfalls gesucht und angegriffen werden.

Selenskyj ordnete im Februar 2024 die Schaffung eigener Truppen für unbemannte Systeme an; zugleich haben laut „Financial Times“ mehr als 100 Brigaden eigene Drohneneinheiten. Zalevskas „Amazon Banshees“ gehören dazu: kleine, spezialisierte Teams, schnelle Ausbildung, neue Technik, ein Krieg, in dem Aufklärung und Angriff immer häufiger über Bildschirme laufen.

Zalevska kennt diesen Krieg nicht nur durch die Bilder ihrer eigenen Drohnen. Im August 2024 wurde sie selbst von einer russischen FPV-Drohne schwer verletzt; Splitter stecken bis heute in ihrem Körper. Trotzdem kehrte sie an die Front zurück. Ihre Vorgesetzten hatten ihr eine längere Pause nahegelegt, doch sie lehnte ab: Solange Russland ihr Land zerstören wolle, werde „Multik“ gebraucht.

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DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES

04.05.2026, Russland, Moskau: Nach einem Drohnenangriff ist ein Wohnhaus in der Mosfilmowskaja-Straße beschädigt. Foto: Uncredited/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Moskau: Nach einem Drohnenangriff ist ein Wohnhaus in der Mosfilmowskaja-Straße beschädigt.

Der langjährige Siemens-Chef Joe Kaeser hat den russischen Machthaber Wladimir Putin mehrmals und über lange Zeitabstände hinweg getroffen. Im Tagesspiegel-Interview berichtet der Manager von der fatalen Wandlung Putins hin zum Vollblutideologen. Mehr dazu hier. T+ Logo
Wenige Tage vor der traditionellen Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau ist eine ukrainische Drohne nahe dem Zentrum der russischen Hauptstadt in ein Wohnhaus eingeschlagen. Das beschädigte Gebäude ist nur wenige Kilometer vom Kreml entfernt. Mehr dazu in unserem Newsblog.
Russland hat ukrainischen Angaben zufolge seine Angriffe auf die Hafeninfrastruktur des Nachbarlandes in diesem Jahr massiv verstärkt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 seien mehr als 800 Drohnen eingesetzt worden, teilte die Regierung in Kiew am Montag mit. Das seien mehr als zehnmal so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Die Hauptverwaltung für Aufklärung des Verteidigungsministeriums der Ukraine hat auf ihrer offiziellen Website Daten zur russischen Kamikaze-Drohne „Klin“ veröffentlicht, die bereits im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wird. In der Konstruktion kommen zahlreiche ausländische Komponenten zum Einsatz, darunter Bauteile aus China, Australien, den USA, der Schweiz, Taiwan und Südkorea.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass die wichtigste Aufgabe Kiews darin bestehe, „alles zu tun, um ein würdiges Ende des Krieges näherzubringen“. Dies schrieb er auf seinem offiziellen Telegram-Kanal während seiner Teilnahme am Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Eriwan.
Der britische Premierminister Keir Starmer will auf dem Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft in der armenischen Hauptstadt Eriwan Gespräche zur Beteiligung Großbritannines am EU-Milliardenkredit für die Ukraine ankündigen, teilte sein Büro am Sonntag mit. London wolle mit der EU zusammenarbeiten, um die Ukraine mit wichtiger militärischer Ausrüstung zu unterstützen.
Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sieht in einem möglichen Verzicht der US-Regierung auf eine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland eine Schwächung Europas: „Da wird man sich jetzt im Kreml freuen und die Hände reiben“, dass Trump das russische Narrativ unterstütze und die Europäer eine Fähigkeitslücke haben, so der Politiker.
Bei einem russischen Raketenangriff auf die nordostukrainische Region Charkiw sind nach Angaben der örtlichen Behörden drei Menschen getötet worden. Acht weitere wurden verletzt, wie Regionalgouverneur Oleh Synjehubow weiter mitteilt. Der Angriff habe die Stadt Merefa getroffen. Mehrere Wohnhäuser und Geschäfte seien beschädigt worden.
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HINTERGRUND UND ANALYSE

Bilder des Jahres 2024, News 03 März News Themen der Woche KW12 News Bilder des Tages  RUSSIA, MOSCOW - MARCH 18, 2024: President-elect Vladimir Putin on video screens attends a rally and concert in Red Square marking the 10th anniversary of the reunification of Crimea and Russia. Russian Presidential Press and Information Office/Gavriil Grigorov/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY 68329072
Auch nach mehr als vier Jahren Ukraine-Krieg sträuben sich viele Bürger dagegen, in Russlands Vorgehen Kolonialismus zu sehen. Ein großer Fehler, meint Historikerin Botakoz Kassymbekova.
ARCHIV - 06.01.2022, Mali, --: Dieses undatierte Foto, das vom französischen Militär zur Verfügung gestellt wurde, zeigt drei russische Söldner im Norden Malis. (zu dpa: «Mali bricht nach Rebellenangriff Beziehungen zur Ukraine ab») Foto: Uncredited/French Military/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Moskaus Kämpfer hinterlassen einen Failed State. Die Regierung zerfällt, in Teilen des Landes herrscht Anarchie. Russlands Image in Afrika ist schwer beschädigt.

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