Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Mutmaßlicher Russland-Spion in Berlin festgenommen, russische Siegesparade am 9. Mai ohne Panzer, Ukraine greift Öl-Anlage tief in Russland an. Der Nachrichtenüberblick.
Liebe Leserinnen und Leser,
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wer den russischen Angriff auf Mariupol im Jahr 2022 überlebte und sein Zuhause nicht verloren hatte, konnte sich lange zu den wenigen Glücklichen zählen. Während der 86-tägigen Belagerung wurden bis zu 90 Prozent der Mariupoler Wohngebäude beschädigt oder zerstört – nach Angaben der ukrainischen Behörden insgesamt mehr als 11.000.
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Doch nun geraten ausgerechnet jene in der besetzten Stadt unter Druck, deren Wohnungen noch stehen. Ein russisches Gesetz, das Ende 2025 verabschiedet wurde, bedroht ihr Eigentum.
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Die russischen Besatzungsbehörden verlangen von ukrainischen Eigentümern, ihre Wohnungen nach russischem Recht registrieren zu lassen. Dafür müssen sie persönlich erscheinen. Wer bis Juli 2026 keinen russischen Eigentumsnachweis vorlegt, riskiert, dass die Behörden Wohnung oder Haus als „verlassen“ einstufen und einziehen. In einer Reportage schilderte die „New York Times“ vor wenigen Tagen, was dies für die Bewohner Mariupols bedeutet (Quelle hier).
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Die 53-jährige Jelena etwa berichtet, dass ihre Wohnung auf den Namen ihrer Tochter eingetragen sei, die heute in Polen lebt. Als die Tochter 2024 versuchte, über Russland nach Mariupol zu reisen, wurde sie am Moskauer Flughafen gestoppt, als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft und mit einem zwanzigjährigen Einreiseverbot belegt. Eine Umschreibung nach russischem Recht sei damit unmöglich. „Das bedeutet, dass sie mich jederzeit aus meiner Wohnung werfen können“, sagt Jelena.
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Ihr Fall ist nicht der einzige seiner Art. In Mariupol stufen die Behörden laut „New York Times“ derzeit rund 13.000 Wohnungen als „verlassen“ ein. Sie sollen an ukrainische Familien auf einer offiziellen Warteliste vergeben werden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat zwischen März 2024 und Januar 2026 bereits rund 8000 Gerichtsverfahren zur Enteignung von Wohnungen in den besetzten Gebieten dokumentiert.
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In Mariupol ließ Russland rund 5000 neue Wohnungen bauen und inszenierte die rekonstruierte Innenstadt als Erfolg. Doch 75 Prozent der neuen Einheiten gingen der Stadtentwicklungsbehörde zufolge an Zugezogene aus Russland, die mit Vorzugskrediten mit einem Zinssatz von zwei Prozent gelockt werden – in Russland selbst liegen Hypothekenzinsen bei 15 bis 20 Prozent.
„Das ultimative Ziel besteht darin, so viele Menschen wie möglich dazu zu zwingen, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen“, sagt Julia Gorbunowa von Human Rights Watch der „New York Times“. Russland versuche dadurch, „der Welt die Besatzung als vollendete Tatsache zu präsentieren: Dieses Gebiet wird von Menschen bewohnt, die unsere Herrschaft akzeptieren.“
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DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES
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Russische Soldaten marschieren während der Militärparade zum Tag des Sieges am 9. Mai auf dem Roten Platz in Moskau.
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Die Bundesanwaltschaft hat in Berlin einen mutmaßlichen Spion festnehmen lassen, der für Russland tätig gewesen sein soll. Der Mann habe „spätestens seit Mai 2025 von Deutschland aus fortlaufend in Kontakt zu einem russischen Geheimdienst“ gestanden. Was bekannt ist. |
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Eine der größten Superyachten der Welt hat am Wochenende trotz der angespannten Lage die Straße von Hormus passiert. Die „Nord“ wird dem Milliardär Alexej Mordaschow zugerechnet, der als reichster Mann Russlands gilt. Mehr dazu hier. |
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Aus Furcht vor ukrainischen Drohnenangriffen findet die traditionelle Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau in diesem Jahr ohne Panzer und Raketen statt. Die Vorführung von Militärtechnik am 9. Mai entfalle wegen der „operativen Lage“, teilte das Verteidigungsministerium in der russischen Hauptstadt mit. Mehr dazu in unserem Newsblog. |
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Die Ukraine hat nach eigenen Angaben mit Drohnen eine russische Ölpumpstation in der Nähe der Stadt Perm angegriffen. Bei der nächtlichen Attacke rund 1500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt sei ein Großbrand ausgebrochen, teilte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU am Mittwoch. Vorläufigen Informationen zufolge stünden fast alle Öltanks der Anlage in Flammen. |
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Inmitten stockender US-Vermittlungsbemühungen um einen Waffenstillstand in der Ukraine tritt die amtierende US-Botschafterin in Kiew, Julie Davis, von ihrem Posten zurück. Sie werde im Juni 2026 aus dem diplomatischen Dienst ausscheiden, teilte das US-Außenministerium am Dienstag mit. |
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Russische Einheiten in der Region Cherson leiden unter akutem Kraftstoffmangel. Das ukrainisch-krimtatarische Partisanennetzwerk Atesh berichtet, dass Verbände im Bereich Hola Prystan nach einer Serie ukrainischer Angriffe auf die Treibstoffinfrastruktur der Krim kaum noch Kraftstoff erhalten. |
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Die Europäische Union prüft offenbar strengere Bedingungen für einen Kredit in Höhe von 90 Milliarden Euro an die Ukraine. Wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, könnte ein Teil der Zahlungen an umstrittene Steuerreformen geknüpft werden. |
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Bei russischen Drohnenangriffen in der Ukraine ist nach Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet worden. In der nordöstlichen Grenzregion Sumy sei eine 60-jährige Frau infolge der Angriffe getötet worden, mindestens zwei weitere Menschen seien verletzt worden, erklärte am Mittwoch der örtliche Regionalgouverneur Oleh Grigorow im Onlinedienst Telegram. |
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Moskaus Söldner konnten die Regierung von Mali nicht schützen. Jetzt sind sie selbst auf der Flucht. Russlands Image in Afrika ist schwer beschädigt.
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Der amerikanische Krieg gegen den Iran ist nicht nur ein Problem für die Weltwirtschaft, sondern auch für die europäische Verteidigung gegen Russland. Wir erklären den Zusammenhang.
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