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+ Widerstand in Mariupol – Kämpfen unter Besatzung + Ukraine will Atomkraft massiv ausbauen + Drohnenabwehr mit Treffern über Tausende Kilometer +

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Moskau droht mit Vergeltung wegen neuer Sanktionen, Luftverteidigung: Ukraine meldet Treffer über Hunderte und Tausende Kilometer, Ukraine will Atomkraft massiv ausbauen. Der Nachrichtenüberblick.

Liebe Leserinnen und Leser,

um die Befreiung der von Russland besetzten Gebiete in der Ukraine kämpfen nicht nur Soldaten an der Front. Hinter den Linien versuchen ukrainische Widerstandsgruppen, die Besatzungsmacht zu stören, Informationen weiterzugeben und einzelne Aktionen vorzubereiten. Wie dieser Widerstand in der Hafenstadt Mariupol organisiert ist – und wie gefährlich er ist –, schildert Petro Andrjuschtschenko, früherer Berater des Mariupoler Bürgermeisters, dem britischen „Telegraph“ (Quelle hier).

Andrjuschtschenko spricht offen mit der Zeitung, aber nicht aus Mariupol selbst. Er sagt, es gehöre zu seiner Aufgabe, über das Leben in den besetzten Gebieten zu berichten, nachdem er selbst entkommen ist. Vor der russischen Invasion arbeitete er in der Stadtverwaltung von Mariupol, nach der Besatzung wurde er zu einer der prominentesten Stimmen des ukrainischen Widerstands.

Unter russischer Kontrolle stehe die Stadt heute unter flächendeckender Videoüberwachung, der russische Geheimdienst FSB kontrolliert nach seiner Darstellung den Telefonverkehr, russische Soldaten seien überall. Die ukrainische Sprache und ukrainische Farben seien aus dem Stadtbild verschwunden.

Der Widerstand habe in den ersten Tagen der Besatzung im Jahr 2022 klein begonnen, mit Zeichen und Botschaften im öffentlichen Raum. Sie sollten anderen Menschen in der Stadt zeigen, dass sie nicht allein sind. Inzwischen arbeiteten die Gruppen vorsichtiger und stärker voneinander getrennt. Andrjuschtschenko sagt, einzelne Mitglieder kennen nur wenige andere, damit das Netzwerk weiterarbeiten könne, falls jemand gefasst werde.

Auch die Rekrutierung laufe nicht mehr persönlich ab. Nach seiner Darstellung entstehen erste Kontakte über Telegram. Wer mitmachen wolle, müsse einfache Aufgaben erfüllen; zugleich prüfe das Netzwerk öffentlich zugängliche Informationen über diese Personen, etwa Social-Media-Profile.

Seit Russland die Überwachung in Mariupol ausgebaut hat, seien klassische Sabotageaktionen und Angriffe auf Vertreter der Besatzungsmacht schwieriger geworden. Die Motivation für den Widerstand sei dadurch aber nicht geringer geworden, sagt Andrjuschtschenko. Ob sich jemand anschließe, sei „eine Frage der Moral“: „Es hängt davon ab, wer die Person in Friedenszeiten war.“

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DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES

April 20, 2026, Moscow, Moscow Oblast, Russia: Russian President Vladimir Putin, listens to Penza Region Governor Oleg Melnichenko, deliver his report during a face-to-face meeting at the Kremlin, April 20, 2026 in Moscow, Russia. Moscow Russia - ZUMAp138 20260420_zaa_p138_003 Copyright: xAlexanderxKazakov/RussianxGovernx

Russland hat „harte Vergeltungsmaßnahmen“ gegen die EU angekündigt.

Der Unmut in Russland über Internetsperren wächst: Jetzt äußert sich Putin erstmals zu Zensurmaßnahmen. Der russische Machthaber begründet die unbeliebten Sperren mit der Verhinderung von „Terroranschlägen“. Mehr dazu hier.
„Erstmals seit Jahren keine Russen im Raum“: Vikroe Orbán ist abgewählt und beim Treffen der Spitzen der Europäischen Union in Zypern schon nicht mehr dabei. Polens Ministerpräsident erlaubt sich einen Seitenhieb. Mehr dazu hier.
Russland übt scharfe Kritik an dem neuen EU-Sanktionspaket und kündigt harte Vergeltungsmaßnahmen an. Die Beschränkungen im Bereich fossiler Energien würden angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit verheerende Folgen haben, sagt die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Mehr dazu in unserem Newsblog.
Diese Woche zeichnete der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha ein positives Bild der Lage auf dem Schlachtfeld. Die Ukraine sei so stark wie seit einem Jahr nicht mehr, Drohnen würden die russische Truppenüberlegenheit minimieren und demzufolge sei die ukrainische Position für weitere Verhandlungen mit Russland gestärkt.
Kurz vor dem 40. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat die Ukraine einen massiven Ausbau der Atomenergie angekündigt. „Unser Ziel ist eine Nennleistung von 25 Gigawatt an Atomenergieerzeugung bis 2050“, schrieb Energieminister Denys Schmyhal auf seinem Telegramkanal.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben einen angeblich geplanten Terroranschlag auf die Führung der russischen Telekommunikationsaufsichtsbehörde Roskomnadsor verhindert, hieß es.
Die Ukraine baut ihre Luftverteidigung nach Angaben des Verteidigungsministeriums mit ferngesteuerten Abfangdrohnen aus. Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte am Donnerstag, die Systeme könnten inzwischen aus großer Distanz gesteuert werden und Ziele in sehr großer Entfernung treffen.

HINTERGRUND UND ANALYSE

ARCHIV - 29.11.1985, Ukraine, Tschernobyl: Am 26. April 2026 jährt sich das weltweit schwerste Reaktorunglück zum 40. Mal. Im vierten Block des ukrainischen Atomkraftwerkes in Tschernobyl kam es zu einer starken Explosion. In den Folgemonaten wurde in Tag- und Nachtarbeit der Block mit einem Betonmantel umhüllt. Im Bild eine Bergungsmannschaft bei Aufräumarbeiten während der Nachtschicht (Aufnahme von 1986). (zu dpa: «Umfrage: Mehrheit sieht Atomausstieg kritisch») Foto: dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Im Frühjahr 1986 zählte Andriy Kulish zu den ersten Helfern am havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl. Heute ist der Ukrainer schwer krank – und erlebt die nächste Katastrophe.

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