Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Frau soll in Charkiw Drohnenangriffe für Russland koordiniert haben, Ukraine hebt Reisewarnung für Ungarn auf, Russland soll Waffenruhe fast 11.000 Mal verletzt haben. Der Nachrichtenüberblick.
Liebe Leserinnen und Leser,
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in befreiten Teilen der Ukraine rekrutiert Russland zunehmend Einwohner für Anschläge im eigenen Land. Ein Fall aus Butscha zeigt, wie das aussieht: Laut einem Bericht des „Guardian“ soll der 21-jährige Bohdan Tymtschenko dort nach Kontakt mit russischen Anwerbern Sprengsätze vor seinem eigenen Wohnhaus platziert haben.
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Nach Darstellung der ukrainischen Ermittler begann der Kontakt nicht in einem konspirativen Umfeld, sondern im Chat des Onlinespiels „World of Tanks“. Später lief die Kommunikation demnach über Telegram weiter. Dort soll der junge Mann Schritt für Schritt Anweisungen erhalten haben, wie er Material beschafft, die Sprengsätze zusammenbaut und den Angriff ausführt. Als Gegenleistung seien ihm 1200 Dollar versprochen worden.
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Die Explosionen in Butscha trugen nach Angaben der Ermittler die Merkmale eines sogenannten „Double Tap“-Angriffs. Zuerst detonierte ein Sprengsatz am frühen Morgen vor dem Gebäude, später ein zweiter, nachdem bereits Einsatzkräfte eingetroffen waren. Zwei Polizeibeamte wurden verletzt. Nach seiner Festnahme sagte Tymchenko vor Gericht, er sei erpresst worden: Sein Anwerber habe behauptet, den Aufenthaltsort seiner Mutter zu kennen und sie per Drohne beobachten zu können.
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Gerade in Butscha wiegt der Vorfall schwer. Die Stadt steht seit den russischen Verbrechen während der Besatzung 2022 wie kaum ein anderer Ort für die Brutalität des Krieges gegen die Ukraine. Dass dort nun ein Bewohner für eine Sabotageaktion angeworben worden sein soll, erschüttert viele in der Stadt. „Ich verstehe einfach nicht, wie das hier passieren konnte, gerade von jemandem, den man jeden Tag sieht“, sagt eine Nachbarin dem „Guardian“.
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Nach Angaben des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes hat Russland in den vergangenen zwei Jahren mehr als 800 Ukrainer für solche Aktionen rekrutiert, darunter mindestens 240 Minderjährige. Die Ziele reichen demnach von kritischer Infrastruktur bis zu Rekrutierungsbüros.
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DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES
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Saporischschja: Rettungskräfte versuchen am Montag, ein Feuer in einem Gebäude nach einem russischen Drohnenangriff zu löschen. Russland hat nach ukrainischen Angaben die Osterfeuerpause tausendfach gebrochen.
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Nach dem Wahlsieg des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar hat die Ukraine ihre Reisewarnung für Ungarn aufgehoben. Die Warnung war im März verhängt worden. Nun hoffe der ukrainische Außenminister auf die Normalisierung der Beziehung zu Ungarn. Mehr dazu hier. |
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Nach der Ungarn-Wahl erwartet die Bundesregierung eine zügige Freigabe des 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU an die Ukraine. „Natürlich erwarten wir jetzt ein politisches Signal von ungarischer Seite“, sagt die Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Mehr dazu in unserem Newsblog. |
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Russland will „pragmatische Beziehungen“ mit Ungarn fortsetzen. Russland respektiere die Wahlentscheidung des ungarischen Volkes. Zudem sei man an guten Beziehungen zu Ungarn und dem übrigen Europa interessiert, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. |
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In Charkiw ist eine Anwohnerin festgenommen worden, die Angriffe russischer Drohnen auf die Stadt koordiniert haben soll. Bei ihr wurde ein Smartphone sichergestellt, das über einen Fernzugriff für russische Geheimdienste verfügte. |
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Russische Truppen haben nach ukrainischen Angaben spät am 12. April eine Energieanlage im Gebiet Tschernihiw angegriffen. Der regionale Versorger Tschernihiwoblenergo teilte mit, dass rund 12.000 Anschlüsse infolge des Angriffs ohne Strom geblieben seien. |
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Russland hat nach ukrainischen Angaben die vereinbarte Waffenruhe während der Osterfeiertage tausendfach gebrochen. Wie der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte mitteilte, wurden seit Beginn der Feuerpause insgesamt 10.721 Verstöße registriert. |
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Die von Moskau angeordnete Waffenruhe zum orthodoxen Osterfest ist um Mitternacht abgelaufen. Wie schon bei früheren Waffenruhen zu Feiertagen bezichtigten sich die Kriegsparteien gegenseitig, gegen die Anordnung verstoßen zu haben. |
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Durch die Abwahl von Viktor Orbán kann die EU nun der Ukraine wirklich helfen, sagt der Grüne Anton Hofreiter, der Vorsitzende des Europaausschusses. Der 90-Milliarden-Euro-Kredit müsse rasch gezahlt werden.
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Immer radikaler versucht der Kreml, im Krieg Russlands Bevölkerungsschwund aufzuhalten. Doch hinter der staatlichen Kontrolle über Frauenkörper steckt noch mehr.
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