Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Ukraine-Beitritt zur Nato laut Rutte derzeit kein Thema, Selenskyj warnt vor möglicher Eskalation bis Herbst, Moskau und Kiew verkünden Feuerpause übers orthodoxe Osterfest. Der Nachrichtenüberblick.
Liebe Leserinnen und Leser,
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mit jedem Kriegsjahr wird es für Journalisten gefährlicher, aus der Ukraine zu berichten – die Nationale Journalistenunion der Ukraine hat Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie oft Medienschaffende zur Zielscheibe werden.
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Ihr Vorsitzender Serhij Tomilenko sagte in einer Sitzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission, seit Kriegsbeginn seien 147 Medienmitarbeiter getötet worden; mindestens 21 von ihnen seien bei ihrer journalistischen Arbeit ums Leben gekommen.
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Zugleich sprach er von 160 Angriffen und Drohungen gegen Journalisten sowie von 70 Fällen, in denen Redaktionsausrüstung, Fahrzeuge oder persönliches Arbeitsmaterial zerstört oder beschädigt worden seien. Weitere 28 ukrainische Journalisten befänden sich nach seinen Angaben in russischer Gefangenschaft (Quelle hier).
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Auffällig sei dabei nicht nur die Zahl der Übergriffe, sondern auch die Art, wie sich die Arbeit an der Front verändert. Tomilenko sagte, sichtbare „Presse“-Kennzeichnungen auf Schutzwesten oder Helmen machten Reporter inzwischen eher zu Zielen, als sie zu schützen. Ähnliches berichteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die in der Ukraine tätig sind: Auch humanitäre Kennzeichnungen schützen Helfer nahe der Front kaum noch vor gezielten Angriffen.
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Die ukrainische Politik hat darauf inzwischen reagiert. Das Parlament setzte im Dezember 2025 eine Kommission ein, die russische Verbrechen gegen Journalisten und andere Beschäftigte von Medienorganisationen untersuchen soll.
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Auch international wächst die Aufmerksamkeit: Die Organisation Reporter ohne Grenzen zählt seit Februar 2022 mehr als 175 Fälle von Misshandlungen, Verschleppungen, Verletzungen und anderen Übergriffen gegen Medienschaffende im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine (Quelle hier).
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Die Zahlen sind vorläufig – aus besetzten Gebieten und über Gefangene dringen Informationen oft nur bruchstückhaft nach außen. Was sie trotzdem zeigen: Der Preis unabhängiger Berichterstattung steigt.
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DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES
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Ein orthodoxer Seelsorger besucht eine Stellung des Spezialbataillons der Nationalpolizei in der Region Saporischschja. Russland und die Ukraine haben über das orthodoxe Osterfest eine Waffenruhe vereinbart.
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Drohungen aus Moskau diese Woche lassen aufhorchen. US-Experten sehen darin die Vorbereitung möglicher künftiger Angriffe auf das Baltikum. Mehr dazu hier. |
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Ungarns Außenminister Péter Szijjártó soll seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow 2023 unter anderem über die Debatte der EU-Staats- und Regierungschefs zu den Beitrittsgesprächen mit der Ukraine informiert haben. Mehr dazu hier. |
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Die ukrainische Armee hat eine spektakuläre Geheimmission aus dem vergangenen Jahr bekanntgemacht: Umfunktionierte Drohnen sprengen eine wichtige Flussbrücke auf besetztem Gebiet. Mehr dazu hier. |
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Ukrainische Soldaten haben nach Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj im Iran-Krieg Angriffe iranischer Drohnen auf Staaten am Persischen Golf abgewehrt. Mehr dazu in unserem Newsblog. |
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Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat die Erwartungen an einen schnellen Beitritt der Ukraine deutlich gedämpft. Bei einem Auftritt in Washington sagte er, für eine Mitgliedschaft fehle derzeit der politische Konsens im Bündnis. |
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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erklärt, dass Russland die Schaffung einer Pufferzone entlang der Grenze zu Belarus in Betracht zieht. Gleichzeitig könnten die kommenden Monate für die Ukraine schwierig werden, da ein wachsender Druck an der Front erwartet wird. |
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Die ukrainischen Streitkräfte haben einen Vorteil gegenüber der russischen Armee im Einsatz von Drohnen erlangt, was sich bereits auf die Lage an der Front auswirkt und russische Offensivoperationen verlangsamt. |
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Kirill Dmitriew, ein Gesandter des Kreml, trifft in den USA Vertreter der Regierung von Donald Trump. Thema der Gespräche sind laut Medienberichten mögliche Verhandlungen über den Ukraine-Krieg sowie eine breitere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Washington und Moskau. |
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Moskau und Kiew haben sich auf eine Feuerpause zu den orthodoxen Osterfeiertagen geeinigt. Ab Samstag soll über die orthodoxen Ostereiertage eine 32-stündige Feuerpause in Kraft treten. |
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