Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Nordkorea sichert Russland weitere Unterstützung zu, neue Daten zu russischen Verlusten, Verletzte bei russischem Angriff auf Odessa. Der Nachrichtenüberblick.
Liebe Leserinnen und Leser,
|
|
Robert Browdi führt seinen Krieg aus einem Bunker voller Bildschirme. Früher handelte er mit Getreide und sammelte Kunst, heute ist er Kommandeur der ukrainischen Einheiten für unbemannte Systeme. In der Armee ist er vor allem unter seinem Rufnamen „Magyar“ bekannt. Die BBC hat ihn an einem geheimen Ort getroffen (Quelle hier).
Browdi ist eine ungewöhnliche Figur in diesem Krieg. Er gehört zur ungarischen Minderheit der Ukraine und stammt aus Uschhorod im Westen des Landes. Kurz nach Beginn der russischen Invasion meldete sich der einstige Geschäftsmann freiwillig, kämpfte unter anderem bei Cherson und Bachmut und erkannte früh, was kleine Drohnen auf dem Gefechtsfeld verändern konnten: Sie machten russische Stellungen sichtbar, lenkten Artilleriefeuer und wurden später selbst zu Waffen.
Aus dieser Erfahrung entstand die 414. Brigade, die „Birds of Magyar“. Später stieg Browdi zum Kommandeur der Drohnenstreitkräfte auf. Seine Einheit, berichtet Browdi, mache zwei Prozent des ukrainischen Militärs aus, sei jedoch für ein Drittel aller zerstörten Ziele verantwortlich. Ihre eigene Verlustrate liege bei weniger als einem Prozent pro Jahr.
|
|
Browdi sagt, seine Einheiten müssten mehr Männer ausschalten, als Russland monatlich neu rekrutieren könne: Wenn die Ukraine nicht genug Menschen mobilisieren könne, müsse Technik den russischen Vormarsch bremsen.
Seine Strategie richtet sich nicht nur gegen Soldaten an der Front. Die Drohnentruppen greifen auch Raffinerien und Energieanlagen in Russland an. Solche Ziele hält Browdi für legitim, weil Moskau mit Öl- und Gaseinnahmen seinen Krieg finanziere. Hohe Verluste und brennende Anlagen weit hinter der Grenze sollen in Russland Unruhe auslösen.
|
|
In einem viel geteilten Video aus Tuapse klagt eine russische Frau weinend über Drohnenangriffe. Für Browdi sind solche Reaktionen ein Hinweis, dass die Folgen des Krieges weitere Teile der russischen Gesellschaft erreichen könnten. Am Ende geht es ihm nicht nur um Infrastruktur, sondern um die Stimmung in der russischen Gesellschaft: Jede Drohne soll Zweifel säen – am Krieg und an dem russischen Präsidenten, der ihn begonnen hat.
|
|
|
DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES
|
|
|
|
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Pjöngjangs Unterstützung für den „heiligen“ Krieg Russlands gegen die Ukraine unterstrichen. In den vergangenen Tagen hatten mehrere hochrangige russische Vertreter Nordkorea besucht.
|
|
| • |
Ukrainische Geheimdienste werfen russischen Soldaten Fälle von Kannibalismus vor. Ein Bericht verweist zugleich auf massive Versorgungsprobleme an der Front – ein Problem, das zuletzt auch aus ukrainischen Einheiten bekannt wurde. Mehr dazu hier. |
| • |
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Pjöngjangs Unterstützung für den „heiligen“ Krieg Russlands gegen die Ukraine unterstrichen. Nordkorea werde Russlands Politik „voll und ganz unterstützen“, erklärte Kim. Mehr dazu hier. |
| • |
Phishing-Attacke auf Signal: Wer steckt hinter den Angriffen auf Politiker und Journalisten? Die Spur führt nach Russland – doch offiziell bleibt die Bundesregierung zurückhaltend. Mehr dazu hier. |
| • |
Mehr als 213.000 gefallene russische Soldaten im Ukraine-Krieg haben unabhängige Medien inzwischen namentlich bestätigt. Das geht aus einer gemeinsamen Auswertung des russischen Portals Mediazona und des russischsprachigen Dienstes der BBC hervor. Mehr dazu in unserem Newsblog. |
| • |
Polen will beim Aufbau einer eigenen Drohnenflotte auf die Erfahrung der Ukraine setzen. Ministerpräsident Donald Tusk kündigte am 27. April an, dass Warschau ein entsprechendes Projekt gemeinsam mit Kiew vorantreiben will – unterstützt durch europäische Mittel. |
| • |
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf das von Russland kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja ist nach Angaben der dortigen Verwaltung ein Mitarbeiter getötet worden. |
| • |
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht eine stärkere Einbindung der Ukraine in die Europäische Union als wichtige Voraussetzung für ein Ende des russischen Angriffskriegs. „Irgendwann wird es hoffentlich einen Friedensvertrag mit Russland geben. Dann wird möglicherweise ein Teil des Territoriums der Ukraine nicht mehr ukrainisch sein“, sagte Merz am Montag. |
| • |
Ukrainische Langstreckenangriffe setzten überlastete russische Luftabwehrsysteme unter Druck und ermöglichten Treffer auf Öl- und Militärinfrastruktur in Russland sowie auf der annektierten Krim. Darüber berichtet das Institute for the Study of War. |
| • |
Die Zahl deutscher Rüstungsunternehmen hat sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mehr als verdoppelt. Dieser Trend zeigt sich auch in Ostdeutschland, wo die Rüstungsindustrie zuvor weniger stark vertreten war. |
| • |
Bei einem russischen Drohnenangriff auf die südukrainische Stadt Odessa sind in der Nacht nach Angaben der Behörden zehn Menschen verletzt worden, darunter zwei Kinder. |
|
|
|
|
|
|
|
Seit Wochen streitet Russland über eine bekannte Bloggerin, die erst Putin kritisierte und sich dann mit dessen Chefpropagandisten anlegte. Die Rekonstruktion eines ungewöhnlichen Skandals.
|
|
|
Kommentare
Kommentar veröffentlichen