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+ Erster Frauenmarsch in Kiew seit Kriegsbeginn + Elf Staaten wollen Kiews Drohnenhilfe + Warnung vor russischem Cyberangriff +

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Elf Staaten wollen Kiews Drohnenhilfe, Warnung vor russischem Cyberangriff, Ukraine ist weltweoit größter Waffenimporteur. Der Nachrichtenüberblick.

Liebe Leserinnen und Leser,

der Internationale Frauentag war in Kiew in diesem Jahr nicht nur ein symbolisches Datum, sondern auch ein Tag des Protests. Zum ersten Mal seit Beginn der russischen Invasion vor vier Jahren gingen am Sonntag wieder Tausende Frauen in der ukrainischen Hauptstadt auf die Straße. Nach Angaben der Organisatorinnen der feministischen Initiative Women's March kamen im Taras-Schewtschenko-Park mehr als 3000 Menschen zusammen.

Die Demonstrierenden formulierten drei konkrete Forderungen an den ukrainischen Staat: Soldatinnen sollen besser vor Diskriminierung und sexueller Belästigung geschützt werden, die Rückkehr von Frauen aus russischer Gefangenschaft soll mit größerem Nachdruck vorangetrieben werden, und die Werchowna Rada, das ukrainische Parlament, soll den umstrittenen Entwurf für ein neues Zivilgesetzbuch zurückziehen. (Mehr dazu hier und hier).

Wie zentral Frauen inzwischen für die aktive Verteidigung der Ukraine sind, zeigte bereits im Vorfeld des 8. März eine Kampagne des Veteraninnen-Netzwerks Veteranka in Kiew. Unter dem Slogan „Frauen können alles" waren in der Metro, auf Werbeflächen und in Einkaufszentren Porträts von Soldatinnen im Comic-Stil zu sehen – Frauen, die in der ukrainischen Armee Aufgaben übernommen haben, die lange als Männerdomäne galten: eine FPV-Drohnenpilotin, eine Kommandeurin einer Kampfgruppe mit bodengebundenen Robotiksystemen, eine Drohnenoperatorin, die mit Prothese dient, und die Kommandeurin eines Zugs für Drohneneinsätze.

Dass diese Frauen in der Ukraine längst keine Einzelfälle mehr sind, zeigen auch Zahlen aus den Streitkräften. Armeechef Oleksandr Syrskyj bedankte sich am Sonntag bei den Soldatinnen dafür, dass sie „die Behauptung widerlegen, die Verteidigung der Ukraine sei nur eine Männerangelegenheit". Syrskyj schrieb, den ukrainischen Streitkräften gehörten derzeit mehr als 75.000 Frauen an, darunter mehr als 55.000 Soldatinnen. Seit Beginn der russischen Invasion seien 1705 Frauen mit staatlichen Auszeichnungen geehrt worden, fünf von ihnen mit dem Titel „Heldin der Ukraine".

Mit dem wachsenden Anteil von Frauen geraten zugleich Probleme stärker in den Blick, über die in der Armee lange kaum gesprochen wurde. Ende Februar verabschiedete die Werchowna Rada deshalb ein Gesetz, das die Maßnahmen gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung in den Streitkräften verschärfen soll.

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Activists take part in a rally for gender equality, amid Russia's attack on Ukraine, on International Women's Day in Kyiv, Ukraine, March 8, 2026. REUTERS/Gleb Garanich

Rund 3000 Menschen haben am Sonntag an einer Kundgebung zum Internationalen Frauentag in Kiew teilgenommen. (Bild: Reuters/Gleb Garanich.)

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