Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Russlands Außenminister Lawrow wirft den USA Wortbruch vor, Frankreichs Präsident Macron will Gespräch mit Kremlchef Putin suchen, fast 100.000 Einwohner von Odessa ohne Strom. Der Überblick.
Liebe Leserinnen und Leser, | | Telegram ist für Russlands Krieg gegen die Ukraine ein bedeutsamer Nachrichtenkanal: Fast alle wichtigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter Regierungsstellen und der Kreml, veröffentlichen regelmäßig Updates auf der Plattform. | | Umso auffälliger ist, dass ausgerechnet die Medienaufsicht Roskomnadsor – Russlands Kommunikations- und Internetregulierer – die Plattform nun offenbar drosselt. Darüber berichten „Bloomberg" und „Kyiv Independent", jeweils unter Berufung auf das staatliche russische Medium RBC. Demnach soll Roskomnadsor den Zugang zu Telegram seit dem heutigen Dienstag begrenzen. | | Zugleich seien Maßnahmen zur Verlangsamung des Dienstes bereits angelaufen: Nutzer hätten Störungen, vor allem beim Laden von Fotos und Videos, sowie teils auch komplette Verbindungsprobleme gemeldet. | | Die russischen Behörden begründen die Einschränkungen dem Bericht zufolge damit, dass Telegram „nicht vollständig den Anforderungen des russischen Rechts" entspreche – weitere Details seien nicht bekannt, schreibt der „Kyiv Independent".
Warum greift Russland ausgerechnet Telegram an? „Bloomberg" ordnet den Schritt als Teil einer Strategie der russischen Regierung ein, zahlreiche Dienste schrittweise einzuschränken und stattdessen die staatlich geförderte Super-App namens Max zu pushen. Die App wurde nach dem Vorbild der chinesischen App WeChat entwickelt und soll beispielsweise auch Behördendienste bündeln.
Angesichts der zunehmenden Einschränkungen verlassen sich viele Russen mehr und mehr auf virtuelle private Netzwerke (VPN), um die staatliche Zensur zu umgehen und auf blockierte oder gedrosselte Dienste zuzugreifen.
Angesichts der Reichweite vieler staatlicher Kanäle auf Telegram wäre ein vollständiges Verbot des Dienstes für Russland heikel. Der Kreml hatte seit 2018 immer wieder versucht, Telegram einzuschränken, scheiterte jedoch technisch mit Versuchen, den Zugang zu blockieren. Das scheint sich jetzt geändert zu haben. | | Die wichtigsten Nachrichten des Tages | | | • | Bei den Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende hat der russische Außenminister Sergej Lawrow den USA indirekt Wortbruch vorgeworfen. Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump hätten sich bei ihrem Treffen in Alaska im August auf Prinzipien für eine Lösung geeinigt, die Washington nun aber ablehne, sagte Lawrow in einem Interview mit dem Portal „Brics TV". Mehr dazu hier. | | • | Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sieht Europa durch einen „tiefgreifenden geopolitischen Bruch" in seiner Existenz gefährdet. Das sagte er in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung". Macron erklärte erneut, das Gespräch mit Russland suchen zu wollen. Der Kreml zeigte sich „imponiert". Mehr dazu hier. | | • | In der Debatte über eine Wiederaufnahme des Dialogs mit Putin hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sich für eine Koordination auf europäischer Ebene ausgesprochen. „Lassen Sie uns erst besprechen, worüber wir mit den Russen sprechen wollen, bevor wir darüber sprechen, wer mit den Russen spricht", sagte Kallas am Dienstag mehreren Medien. | | • | Als Folge des russischen Angriffs auf die Region Odessa sind dort den örtlichen Behörden zufolge 95.000 Menschen ohne Strom. Besonders betroffen sei der Ort Kilja, teilte Gouverneur Oleh Kiper mit. Dort seien mehr als 200 Gebäude, in denen 9000 Menschen lebten, auf Elektrizität auch für die Heizung angewiesen. | | • | Eine Mutter und ihre elfjährige Tochter sind nach ukrainischen Angaben bei einem russischen Luftangriff auf die Stadt Slowjansk in der Region Donezk ums Leben gekommen. Das teilte Gouverneur Wadym Filaschkin auf Telegram mit. | | • | Russische Truppen versuchen nach ukrainischen Angaben, ihre Offensive in Richtung Pokrowsk auszuweiten. In der Stadt würden die Kämpfe andauern, zugleich werde das Dorf Hryschyne, ein Ort nordwestlich von Pokrowsk, angegriffen, teilte das 7. Schnellreaktionskorps der ukrainischen Luftlandetruppen mit. | | • | Russland soll Angehörige ukrainischer Kriegsgefangener dazu drängen, Satelliten-Terminals des Typs Starlink auf ihren Namen zu registrieren. Das teilte die ukrainische Koordinationsstelle für Kriegsgefangene auf Telegram mit. Es handele sich um den Versuch, eine von SpaceX nach ukrainischer Anfrage durchgesetzte Sperrung zu umgehen. | | • | Die USA rechnen beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister am Donnerstag mit weiteren Zusagen für Waffenkäufe zugunsten der Ukraine. Er erwarte entsprechende Ankündigungen für die Initiative „Prioritised Ukraine Requirements List" (PURL), sagte der US-Botschafter bei der Nato, Matthew Whitaker, am Dienstag in einem Online-Briefing. | | • | Der ukrainische Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewytsch darf bei den Winterspielen einen Helm mit Bildern von im Krieg getöteten Sportkollegen nicht mehr tragen. Der Kopfschutz widerspreche den Regeln der Olympischen Charta, sagte ein Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Mehr dazu hier. | | • | Ein Friedensvertrag zur Beendigung des Krieges in der Ukraine muss aus russischer Sicht Sicherheitsgarantien für Russland enthalten. Dies erklärte der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko in einem Interview mit der Zeitung Iswestija. Zu diesen Garantien zählt demnach unter anderem der Ausschluss einer künftigen Nato-Mitgliedschaft der Ukraine. Mehr dazu im Newsblog. | | • | Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben 2025 fast 150.000 Hinweise aus der Bevölkerung zu verdächtigen Aktivitäten erhalten. Unter den über die Denunziationshotline weitergegebenen Informationen seien Tausende Meldungen zu mutmaßlichem Fehlverhalten im Zuge der Ukraine-Offensive, teilte der FSB am Dienstag mit. | | | | | | | | Viele ukrainische Städte leiden in diesem Winter unter russischen Angriffen auf die Energieversorgung. In Altschewsk bricht die Infrastruktur auch ohne Beschuss zusammen – dank jahrelanger Vernachlässigung. | | | | | | | Hunderttausende Menschen sind in den vergangenen Jahren vor Krieg und Repressionen aus Russland geflohen. Andere wollen plötzlich zurück – und werden mit offenen Armen empfangen. | | |
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