Queers mit Waffen + Neues Peaches-Album + Olympia-Hoffnungen
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| Liebe Leser*innen, Rechenzentren für sogenannte künstliche Intelligenz benötigen enorme Mengen an Elektrizität und Wasser und feuern damit die Klimakrise mit an. Dafür kann man in den USA nun für 500 Dollar im Monat die KI-Features der schwulen Dating App Grindr testen. Die KI des börsennotierten Unternehmens heißt gAI, was wohl klingen soll wie „gay-I". Die Funktionen sollen unter anderem Gesprächszusammenfassungen und personalisierte Vorschläge umfassen. Da fragt sich schon, was eine KI eigentlich auf einer Plattform zu suchen hat, in der es vor allen Dingen um Sex geht. Zumindest dann, wenn man nicht der Ansicht ist, dass die digitalisierte Cruising-Kultur auf eine algorithmisch durchpersonalisierte Konsumerfahrung reduziert werden sollte. Das „Feature" wird zudem mit den persönlichen Daten der Nutzenden trainiert (außer sie widersprechen explizit in den Datenschutzeinstellungen der App). Dass queeres Begehren mehr ist als Datensätze im Dienst eines Aktienkurses, zeigt, wer auch sonst, Peaches in ihrem neuen Album „No Lube So Rude". Es erscheint am Freitag und ich konnte bereits reinhören. Meine ersten Eindrücke lest Ihr im Kulturteil des Newsletters. Zunächst geht es aber in die USA, wo sich immer mehr queere Menschen angesichts der politischen Lage bewaffnen. Das Interview mit der Aktivistin April Gendill von den Pink Pistols lest Ihr direkt im Anschluss. Solltet Ihr noch kein Tagesspiegel-Abo haben, schließt doch unser Winterangebot ab: 2 Monate für 2 Euro lesen. Damit könnt Ihr alle Tagesspiegel-Plus-Artikel lesen. Ihr unterstützt damit auch die Recherche für exklusive queere Themen, der Tagesspiegel hat das größte LGBTIQ-Angebot aller überregionalen Medien. Hier geht's zum Abo. |
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| NAMEN & NEUES |
| Nach fast 17 Jahren: Wohnprojekt für lesbische und queere Frauen in Berlin steht vor der Fertigstellung So sehr Berlin für sich in Anspruch nimmt, Stadt des Fortschritts zu sein, so sehr ist Berlin auch Stadt des Unveränderlichen. Das mit dem Schneeräumen funktionierte schon 1929 in Alexander Döblins „Berlin Alexanderplatz" nicht wirklich. Und in dieser Stadt zu bauen, beansprucht oft unglaublich viel Zeit. 17 Jahre hat es nun gedauert, bis das lesbisch-queere Wohnprojekt von „Rad und Tat Berlin" (RuT) realisiert werden konnte. Die ersten Pläne wurden 2009 geschmiedet, 2017 gewann das Nutzungskonzept von RuT die Bewerbung um das Grundstück „Schöneberger Linse", bis die konkurrierende Schwulenberatung Einspruch aufgrund eines Verfahrensfehlers einlegte und so den Zuschlag erhielt. 2019 fand RuT dann mit der der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM) einen neuen Kooperationspartner für das Projekt. Diesmal in Mitte – und so entstanden 73 Wohnungen für Lesben und queere Frauen in der Berolinastraße in Sichtweite des Alexanderplatzes. Teil des Wohnprojekts ist ein Soziokulturelles Zentrum mit Beratungs-, Begegnungs- und Veranstaltungsräumen, ein Kiez-Café im Erdgeschoss sowie eine Pflege-Wohngemeinschaft. Der Neubau steht kurz vor der Fertigstellung, das Bewerbungsverfahren läuft über RuT. „Wir werden derzeit von Bewerbungen geflutet", sagte mir Jutta Brambach von RuT am Telefon. „Das zeigt uns aber auch, dass es für queere und lesbische Frauen einen großen Bedarf gibt." Nach Hochhausbrand in Friedrichsfelde: Auch Verein LesLeFam betroffen In der Dolgenseestraße in Berlin-Friedrichsfelde kam es am Mittwoch vergangener Woche zu einem schweren Hochhausbrand. Ein Säugling, dessen fünfjähriger Bruder und die Mutter der beiden starben an den Verletzungen infolge des Feuers. Mehrere Menschen wurden verletzt. Von dem Feuer betroffen ist auch der Verein LesLeFam, der sich für queere Flinta einsetzt. Durch die Löscharbeiten wurden die Büros des Vereins, das sich im selben Gebäude befindet, schwer beschädigt. Angebote in den Räumlichkeiten von LesLeFam sowie Angebote des Regenbogenfamilienzentrum Lichtenberg sind deshalb bis mindestens kommende Woche ausgesetzt. Noch herrsche Unklarheit darüber, welche Schäden von der Versicherung übernommen werden. LesLeFam startete deshalb einen Spendenaufruf. Alle Informationen findet Ihr bei LesLeFam auf Instagram. Baden Württemberg: Automatische Weitergabe von Daten zur Änderung des Geschlechtseintrags an die Polizei Im Herbst war Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) daran gescheitert, Mehrheiten im Bundesrat zu organisieren, um seine Pläne für ein Melderegister für Personen durchzusetzen, die ihren Geschlechtseintrag ändern ließen. Bereits im November beschloss jedoch der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) kurzerhand per Verordnung, dass frühere Vornamen und Geschlechtseinträge automatisch an Polizeibehörden weitergegeben werden sollen. Die Verordnung beinhaltete mehrere Änderungen im Meldewesen. Aus einer kleinen Anfrage des SPD-Abgeordneten Florian Wahl geht nun jedoch hervor, dass queere Interessenvertretungen als einzige nicht konsultiert wurden – anders als bei anderen betroffenen Gruppen. „Es gibt keinerlei Grund, die Polizei per se über Namens- und Personenstandsänderungen zu informieren. Das Selbstbestimmungsgesetz sieht bereits vor, dass Daten bei gegebenem Anlass übermittelt werden dürfen", kommentierte Janka Kluge vom Queeren Netzwerk Baden-Württemberg die Verordnung gegenüber netzpolitik.org. „Die Polizei hat Zugriff auf das Melderegister und soll auch anlassbezogen ermitteln können. Dass jetzt die automatische Weitergabe der Daten erfolgen soll, ist skandalös." Die Verordnung tritt im November 2026 in Kraft. Am 8. März finden in Baden-Württemberg Landtagswahlen statt. Am 28. Februar organisiert der Verein des Karlsruher CSD deshalb eine Pride-Demonstration auf dem Marktplatz in Karlsruhe, um vor der Wahl auf die Belange der queeren Community aufmerksam zu machen. Alle Infos dazu findet Ihr hier. |
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| KURZMELDUNGEN |
| Gesetzentwurf droht queere Rechte in der Ukraine weiter einzuschränken. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in der Ukraine nicht anerkannt. Ein Gesetzentwurf, der vom Parlamentspräsidenten eingebracht wurde, bedroht nun auch Gerichtsentscheidungen, die gleichgeschlechtliche Paare als Familien anerkannten. Nach dem Entwurf sollen nur noch Paare aus Mann und Frau als „Familien" gelten. Ebenso würden durch das Gesetz Ehen ungültig, in denen eine*r der Partner*innen nach der Eheschließung den Geschlechtseintrag ändern lässt, wie die NGO Ilga-Europe schreibt. Kreuzberger Konzertkasse Koka36 meldet Insolvenz an. Seit über 30 Jahren verkauft Koka36 Konzerttickets in Kreuzberg. Nun hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das hat auch Konsequenzen für den Club SO36, in dem viele queere Veranstaltungen stattfinden. Mehr dazu im Text von Simon Röhricht. New York widersetzt sich Trump-Regierung. Die Trump-Regierung hatte die Regenbogenflagge von dem Stonewall-Monument entfernen lassen. Jetzt haben New Yorker Behörden die Fahne wieder hissen lassen. Alle Hintergründe erfahrt Ihr im Text meines Kollegen Tilmann Warnecke. Kai Wegner (CDU) lädt Budapester Bürgermeister zum CSD nach Berlin ein. In Ungarn wurde Gergely Karácsony wegen der Budapester Pride-Demo im vergangenen Sommer angeklagt. Der Regierende Bürgermeister Berlins sprach dem Gegner Viktor Orbáns in einem Schreiben seine „aufrichtige Solidarität" aus. Mehr erfahrt Ihr im Text von Tilmann Warnecke und Anne-Sophie Schakat. |
| POLIZEI |
| Die Zahl queerfeindlicher Straftaten befand sich 2025 weiterhin auf einem hohen Niveau. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Marlene Schönberger (Grüne) hervor. Demnach registrierten die Behörden 2025 im Bereich "sexuelle Orientierung" 1.776 Taten und 1.132 im Bereich "geschlechtsbezogene Diversität". Im Vorjahr wurden in den beiden Bereichen 1.765 und 1.152 Straftaten gemeldet. Damit befinden sich die Zahlen in etwa im Bereich des Vorjahres, das einen Höhepunkt der queerfeindlichen Gewalt in Deutschland darstellte. Die Zahlen für 2025 sind noch vorläufig. Nachmeldungen sind möglich. Für Betroffene homo- und transfeindlicher Übergriffe gibt es in Berlin mehrere Ansprechpartner*innen: Beim Landeskriminalamt Berlin, bei der Berliner Staatsanwaltschaft, sowie bei den Beratungsstellen LesMigras, Maneo, L-Support und TIN*-Antigewaltberatung. |
| LESEEMPFEHLUNGEN MIT T+ |
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| Zehn Jahre lang hat Peaches keine Platte aufgenommen. Nun veröffentlicht Wahl-Berlinerin Peaches „No Lube So Rude". Von der Kraft des Wortes „Fuck" und der Frage, ob auch Barbra Streisand ein „horny little fucker" ist. |
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| TERMINE |
| +++ 19.2., 17 Uhr, Filmscreening "The Watermelon Woman", Schwarzes lesbisches Kino aus dem Jahr 1996, Sinema Transtopia, Otto-Braun-Straße 72, Mitte. +++ 19.2., 17.30 Uhr, Tin* Sweat, Saunaabend mit Cruising-Option für trans, inter und nichtbinäre Personen, Club Sauna, Mehringdamm 32, Kreuzberg. +++ 20.2., 20 Uhr, Buchpremiere: Kuku Schrapnell „Gender Punks", über trans Pionier*innen vom 17. bis ins 20. Jahrhundert, She Said Buchladen, Kottbusser Damm 79, Kreuzberg. +++ 20.2., 21.30 Uhr, ¡Mash-Up! Riot Queers Making Noise and Turning the Tide, queere Party, Supamolly, Jessener Straße 41, Friedrichshain. +++ 21.2., 15 Uhr, Flirt-Workshop für Lesben, Sexclusivitäten, Fürbringer Straße 2, Kreuzberg. +++ 21.2., 19.30 Uhr, Dragedy: Love, Actually?, Barabend mit Drag-Show, Tipsy Bear, Eberswalder Straße 21, Prenzlauer Berg. +++ 22.2., 18 Uhr, Charming Theys Sober-ish FLINTA Dating, Dating- Abend, Prince Peach, Prenzlauer Allee 208, Prenzlauer Berg. +++ 24.2., 20 Uhr, Queer Media Society: "Desire Will Set You Free", filmische Hommage an die queere Szene Berlins der 1910er Jahre, Klick Kino, Windscheidstraße 19, Charlottenburg. +++ 25.2., 20.15 Uhr, Das Schloss – oder müssen wir uns K. als einen glücklichen Menschen vorstellen?, Theater-Performance zu Fragmenten von Kafka und Camus aus Sicht eines trans Mannes, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. +++ 26.2., 19.30 Uhr, "Die Provinz unter der Haut" – Texte im Entstehen über Klasse, Begehren und Identität, Lesung mit Christoph Hein und Markus Podehl, Brotfabrik, Caligariplatz 1, Weißensee. +++ 27.2., 20 Uhr, "Delfi"-Magazin Release: Hype, Vorstellung der sechsten Ausgabe des Magazins für neue Literatur, unter anderem mit Logan February und Hengameh Yaghoobifarah, Roter Salon der Volksbühne, Linienstraße 227, Mitte. +++ 27.2., 23.59 Uhr, Lecken, queere sexpositive Party, Kreuzwerk, Lobeckstraße 30-35, Kreuzberg. +++ 28.2., 11 Uhr, Selbstbehauptung – Selbstschutz – Selbstverteidigung für queere Menschen, Volkshochschule Pankow, Bizetstraße 27/41, Pankow. +++ 28.2., 19-23 Uhr, Queer Ballroom/Ballhaus König, Ballhaus Walzerlinksgestrickt, Am Tempelhofer Berg 7d, Kreuzberg. +++ 28.2., 20 Uhr, Pink Grimm – Schneewittchen & The Sleeping Beauties, queeres Märchen-Theater, Pfefferberg Theater / Glaspalast, Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg. +++ 3.3., 15 Uhr, Café Bunt - für erwachsene und ältere LesBiSchwulTIN Menschen, Sozialer Treffpunkt Kandeler Weg 3, Spandau. +++ 4.3., 18 Uhr, Support Gruppe für Singles, Queers, Men, Anmeldung per Mail an mischa.beratung@gmail.com, Sekis, Bismarckstraße 101, Charlottenburg. +++ 5.3., 19 Uhr: „Lesben sind die besseren Väter!" Lesung zu queerer Elternschaft mit der Autorin Lisa Bendieck (Veranstaltung im Rahmen der Lichtenberger Frauenwoche), Café Maggie, Frankfurter Allee 205, Lichtenberg. |
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| QUEERKAMERA |
Foto: Markus Heft Bettina und Bettina sind seit knapp 45 Jahren ein Paar. Und sie gehörten zu den ersten lesbischen Paaren in Deutschland, die trotz der juristischen und gesellschaftlichen Widerstände vor Gericht die Stiefkindadoption durchsetzen konnten. Der 27-jährige Fotograf Markus Heft stellte sich lange die Frage: „Warum wissen wir so wenig über die queeren Generationen vor uns?" Also machte er sich in einem Semesterprojekt an der Uni Hannover auf die Suche. Daraus wurde das vierjährige Langzeitprojekt „Für uns geträumt", in dem Heft sich den Lebensrealitäten älterer queerer Menschen widmet. „Dieser Kontakt hat mein Leben total bereichert", sagt er mir am Telefon. Aus dem Projekt soll nun ein Fotobuch entstehen, für das Markus Heft eine Crowdfunding-Kampagne initiierte. Alle Infos dazu findet Ihr hier. |
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| KULTUR |
| Peaches' Album „No Lube So Rude": Analkugeln gegen den Techfaschismus Ich habe zugegeben nicht alle Folgen von „Heated Rivalry" gesehen, aber eine kurze Recherche bestätigte meinen ersten Eindruck: Wo zur Hölle ist das Gleitgel? Oder, um es mit Peaches zu sagen: „No Lube So Rude". Nach zehn Jahren erscheint morgen das neue Album der queerfeministischen Ikone, in dem Begehren nicht konsumierbar, sondern zu Widerstand wird. Peaches bleibt ihrem Sound in den elf Songs treu: Electroclash, Punk, Industrial Beats und Dance-Pop-Elemente treffen auf kurze sich wiederholende Verse. Dabei bleibt Peaches so politisch wie eh und je. In „Fuck how you wanna fuck" singt sie „Starlink anal beads / Shove it and squeeze". Analsex wird so zur Praxis, die den Techfaschismus Elon Musks (Starlink) im „pelvic floor" zerquetscht. Queere Körper sind bei Peaches revolutionäre Subjekte, queerer Sex ihr Medium. „Wenn die Welt voller Reibungen ist, ist Gleitmittel kein Luxus. Es ist eine Notwendigkeit. So verwandelt man diese Reibungen in Lust, in Kraft, in Stolz", sagt Peaches über den Titelsong „No Lube So Rude". Das Video, für das Peaches und der Regisseur Matt Lambert das queere Berliner Nachtleben ranholten, könnt Ihr hier sehen. Podcast über queerfeministische Musikkultur in Deutschland 1974 in West-Berlin: Gerade war ein Frauenzentrum frisch gegründet worden, das dringend Geld benötigte. Bei einem Frauenfest in der Mensa der TU Berlin soll gesammelt werden. Nur sagt die gebuchte englische Band zwei Tage zuvor spontan ab. Also gründen sich über Nacht die Flying Lesbians. Eine der ersten deutschen Rockbands von Frauen. 39 Jahre später erscheint das Debütalbum der queeren Rapperin Ebow. Diesen Bogen der queerfeministischen Musikgeschichte schlägt die fünfte Folge des Podcasts Feministories vom feministischen Archiv FFBIZ. Der Podcast möchte die „Feminismen von Damals und Heute" zusammenbringen Alle Infos und die Podcastfolgen findet Ihr hier. Ausstellung über das lesbische Leben im Berlin der NS-Zeit Bereits Ende Januar wurde im Museum Reinickendorf die Installation „Lila Nächte im Café Achteck – oder der deutsche Freundschaftsverband im Klo" eröffnet. Die Ausstellung, kuratiert von der Künstlerin Cornelia Renz, beleuchtet die Auswirkungen der NS-Zeit auf lesbisches Leben in Berlin Ausgangspunkt der künstlerischen Recherche war das Leben von Lotte Hahm, die gemeinsam mit ihrer Partnerin Käthe Fleischmann in den 1920er-Jahren bekannte Treffpunkte wie den Damenklub Violetta betrieb. Während Fleischmann antisemitischer Verfolgung ausgesetzt war, setzte sich Hahm im Verborgenen weiter für lesbisches Leben ein. Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März zu sehen. Weitere Infos und das Begleitprogramm findet Ihr hier. |
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| DIVEN-ECKE |
Foto: IMAGO Dass der über 400 Jahre alte Monolog „The Stranger's Case" aus dem Theaterstück „Sir Thomas More", der William Shakespeare zugeschrieben wird, immer noch aktuell ist, zeigte der schwule Schauspieler Ian McKellen Anfang Februar. In der Late Night Show von Stephen Colbert rezitierte der 86-Jährige den Monolog des Sheriffs von London, Thomas More, der in dieser Szene einen wütenden Mob anspricht, der gegen Ausländer*innen demonstriert. „Welches Land würd euch, nach der Art und Weise eurer Irrungen Zuflucht gewähren", fragt er darin. „Da ihr dort notwendig Fremde seid, wärt ihr erfreut ein Volk von so barbarischem Gemüt zu finden, die ausbrechend in abscheuliche Gewalt euch keine Bleibe auf Erden gönnen. […] was würdet ihr denken so behandelt zu werden? Das ist das Los des Fremden, und das ist eure gipfelhohe Unmenschlichkeit." Der Text sei ein „Appell an die Menschlichkeit", sagte McKellen bei Colbert – und setzte damit ein Zeichen gegen Donald Trump. Den Monolog findet Ihr auf Instagram. |
| SPORT |
| Der Fall des bisexuellen Fußballschiedsrichters Pascal Kaiser beschäftigt uns erneut. Kaiser rührte ein Millionenpublikum, weil er seinem Freund Ende Januar bei einem Bundesligaspiel einen Heiratsantrag machte. Danach wurden Betrugsvorwürfe öffentlich, die Staatsanwaltschaft suchte angeblich nach ihm. Letzteres erwies sich zwar als falsch: Es wurde ermittelt, jedoch nicht gefahndet, das ging auf ein "Büroversehen" der Staatsanwaltschaft zurück. Jetzt gibt es eine weitere Wendung. Erst lösten angeblich homofeindlich motivierte Attacken auf Kaiser international Entsetzen aus. Doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Kaiser wegen des Anfangsverdachts des Vortäuschens von Straftaten. Er sei verdächtig, Körperverletzungsdelikte zu seinem Nachteil vorgetäuscht und zuvor „vermeintlich an ihn gerichtete Drohnachrichten selbst verfasst und abgesandt zu haben", erfuhr der Tagesspiegel von der Staatsanwaltschaft. Die ganze Geschichte hat mein Kollege Julius Geiler hier aufgeschrieben. |
| SZENEGESPRÄCH |
| Queere Hoffnung bei Olympia Die Olympischen Winterspiele sind so queer wie nie. Und man findet dort queere Geschichten des Sports, die Hoffnung machen. Zwei davon haben meine Kolleg*innen Kit Holden und Charlotte Bruch recherchiert – die des Schotten Bruce Mouat im Curling und die der Eiskunstläuferin Amber Glenn aus den USA. Amber Glenns ganz eigene Heldinnengeschichte Das Fundament für ihre Karriere legte Glenn auf einer Eisbahn in einem Einkaufszentrum in Texas, wo sie mit fünf Jahren das Eiskunstlaufen für sich entdeckte. Ihre Eltern machten Überstunden, um den Sport zu finanzieren. Die junge Glenn verschwieg ihnen derweil, wenn die Schlittschuhe zu klein geworden waren. Doch der Druck wurde zu groß, als die Teenagerin erste Erfolge feierte. Im Alter von 15 Jahren wurde sie wegen Depressionen und Angstzuständen ins Krankenhaus eingeliefert. Sie kämpfte sich zurück. Der endgültige Wendepunkt ihrer Karriere ging schließlich mit ihrem Coming-out als pansexuell im Jahr 2019 einher. Amber Glenn stand zu sich selbst und erhielt dafür Zuspruch. Leider patzte die Mitfavoritin im Kurzprogramm der Olympischen Spiele. Bei der Kür an diesem Donnerstagabend hat sie daher nur noch geringe Chancen auf eine Medaille und braucht auf jeden Fall eine extrem gute Performance. Sollte sie dennoch eine Medaille holen, wäre sie die erste offen queere Frau sein, der dies in ihrer Sportart gelingt. Mehr zu ihrem Leben erfahrt Ihr im Text von Charlotte Bruch. Wie Curling dem Schotten Bruce Mouat beim Coming-out half In den vergangenen Jahren hat es kaum einer geschafft, die Briten so für den Wintersport zu begeistern, wie Bruce Mouat. Mit Schottland ist er schon zweimal Weltmeister und viermal Europameister geworden, 2022 führte er Team GB bei Olympia in Peking zu Silber. Als offen homosexueller Mann gilt er aber vor allem als wichtiges Vorbild in einer Sportkultur, in der es nach wie vor an schwulen Vorbildern mangelt. Seine sportliche Karriere spielte eine wichtige Rolle beim Coming-out 2014. „Die erste Person, der ich davon überhaupt erzählt habe, war eine Sportpsychologin, mit der ich gesprochen habe, weil ich mit meinen Leistungen nicht zufrieden war", sagte er dem Sender BBC. „Das hat mir wirklich geholfen, mich in einem Teamumfeld wohlzufühlen." Gleichzeitig habe diese Entscheidung den Grundstein für seinen späteren sportlichen Erfolg gelegt. „Als ich mich entschieden habe, meine wahre Identität mit der Welt zu teilen, hat das den ganzen Verlauf meiner Karriere geändert, weil es plötzlich okay war, ich selbst zu sein", erzählte er. Alles zu seiner Karriere hat Kit Holden aufgeschrieben. |
| Der nächste Newsletter kommt am 5. März. Dann wieder von meinem Kollegen Tilmann Warnecke. Alles Gute! |
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| Luca Lang |
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