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+ Ein Russe flieht von der Front – doch Asyl erhält er nicht + Kreml-Vertrauter streitet Epstein-Verbindungen nach Russland ab + Helfer warnen vor Lebensgefahr für Ukrainer durch Kälte +

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Kreml-Vertrauter streitet Epstein-Verbindungen nach Russland ab, Helfer warnen vor Lebensgefahr für Ukrainer durch Kälte. Der Nachrichtenüberblick am Abend.

Liebe Leserinnen und Leser,

der Ukrainekrieg treibt nicht nur Ukrainer in die Flucht, sondern auch Russen, die nicht kämpfen wollen und die in Europa Schutz suchen. Einer von ihnen ist Georgy Avaliani, der nach Deutschland geflohen war und auf Asyl hoffte. Vergangene Woche aber wurde sein Antrag abgelehnt, wie das unabhängige russische Exilmedium „Meduza" (Quelle hier) und das Nachrichtenportal „Politico" (Quelle hier) berichteten.

Avaliani, so schreibt „Politico" war im September 2022 im Rahmen von Putins „teilweiser Mobilmachung" im Krieg gegen die Ukraine einberufen worden. Doch er wollte nicht kämpfen: „Das ist nicht mein Krieg, ich bin Pazifist", betonte er. Avaliani schilderte demnach, dass er schon früh deutlich gemacht habe, dass er nicht in den Krieg ziehen wolle, doch Anträge auf Befreiung aus Gesundheits- und Familiengründen seien abgelehnt worden.

Nach wenigen Wochen an der ostukrainischen Front sei er geflohen, gefasst und in einem „Folterkeller" im russisch besetzten Luhansk misshandelt worden. Ein weiterer Fluchtversuch scheiterte demnach, erst beim dritten Versuch habe er es über Belarus nach Usbekistan geschafft. Zunächst sei er dort untergetaucht, später, nach der Wiedervereinigung mit seiner Familie, ging es weiter nach Deutschland, wo er vergangenes Jahr Asyl beantragte.

Ende Januar kam nun die Ablehnung, aus der „Politico" zitiert. Zur Begründung heißt es darin, Avaliani drohe in Russland voraussichtlich keine Verfolgung, allenfalls eine Geldstrafe. Außerdem sei Russland „nicht mehr aktiv" dabei, Männer zu mobilisieren; es gebe keine „erhebliche Wahrscheinlichkeit" für ein konkretes und anhaltendes Interesse russischer Stellen an ihm. Avaliani will dagegen klagen – er sagt, ihm drohten entweder eine erneute Versetzung an die Front oder bis zu 15 Jahre Haft.

Auch Menschenrechtsaktivisten sind alarmiert über das Urteil. Sie vermuten, dass die deutschen Behörden die Lage in Russland verkennen. „Politico" zitiert dazu Artyom Klyga, Anwalt bei Connection e.V., einer Organisation, die Kriegsdienstverweigerer unterstützt: Die Behörden unterschieden nicht sauber zwischen Wehrdienstverweigerern, die aus Russland fliehen, um einer Einberufung zu entgehen, und Deserteuren wie Avaliani, denen bereits Einberufungsbescheide zugestellt wurden. Für Letztere gehe es bei einer Rückkehr nicht um eine Geldstrafe, sondern um Haft oder eine erzwungene Rückkehr an die Front.

Seit dem Amtsantritt der Regierung Merz verfolgt Deutschland einen härteren migrationspolitischen Kurs. In den Jahren 2022 und 2023 habe laut „Politico" etwa jeder zehnte russische Mann im wehrfähigen Alter, der nach Deutschland kam, irgendeine Form von Schutz erhalten; in den folgenden zwei Jahren sei die Quote auf rund vier Prozent gefallen. Für Initiativen, die russischen Deserteuren helfen, hat der Fall eine weitere politische Dimension: Er sende das Signal, „dass Flucht nicht lohnt – und stütze damit Putins Abschreckung", sagt Alexei Alshansky von „A Farewell to Arms".

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

An elderly woman steps on the rubble at a two-storey apartment block damaged by a Russian drone attack, Odesa, Ukraine, February 4, 2026. Five people were injured in the overnight strike on the southern port city, which also damaged residential buildings as well as civil and industrial infrastructure. Photo by Nina Liashonok/Ukrinform Russian drone strikes apartment block in Odesa PUBLICATIONxNOTxINxRUSxBLR Copyright: xNinaxLiashonokx

Eine ältere Frau läuft an den Trümmern eines bei einem russischen Raketenangriff zerstörten Hauses vorbei.

Gegen den sächsischen AfD-Politiker Jörg Dornau laufen erneut strafrechtliche Ermittlungen. Kräfte des Zollfahndungsamts durchsuchten seine Wohnung, Geschäftsräume und Autos. Dornau soll gegen ein Exportverbot nach Belarus verstoßen haben. Die EU hatte gegen das Land wegen Menschenrechtsverletzungen und der Unterstützung Russlands im Ukraine-Krieg sowie sogenannter hybrider Angriffe wirtschaftliche Sanktionen verhängt. Mehr hier.
Der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin, Kirill Dmitrijew, hat Verdächtigungen einer Verstrickung des russischen Geheimdienstes in den Epstein-Skandal als Lüge zurückgewiesen. „Die verzweifelten, verkommenen und verlogenen linken Eliten verfallen in Panik und versuchen, in die Irre zu führen", schrieb er auf der Plattform X. Mehr hier.
Vier Jahre nach Beginn des Kriegs leiden die Menschen in der Ukraine laut Hilfsorganisationen unter dem bisher schlimmsten Kriegswinter. „Dieser Winter entscheidet für viele Menschen über Leben und Tod", erklärte Welthungerhilfe-Mitarbeiterin Oleksandra Titorova nach einem Besuch in der umkämpften Stadt Charkiw im Osten der Ukraine. Mehr in unserem Newsblog.
Das russische Militär hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über zwei weitere Orte in der Ostukraine erlangt. Demnach handle es sich um die Siedlungen Staroukrajinka und Stepaniwka, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau meldet.
In der Stadt Druzhkivka in der Region Donezk haben russische Truppen nach Angaben der örtlichen Behörden gezielt einen Markt mit Streumunition beschossen. Dabei seien mindestens sieben Menschen getötet und acht verletzt worden, teilte der Chef der Militärverwaltung der Region, Vadym Filashkin, in seinem Telegram-Kanal mit.
Der russische Präsident Wladimir Putin missbraucht nach Ansicht der EU-Kommission die laufenden Waffenstillstandsgespräche für Angriffe auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine. „Putin kann diesen Krieg sofort beenden", sagt eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Er zeige jedoch keinerlei Anzeichen dafür. Stattdessen nutze er sogar die Diskussionen über eine Feuerpause, um weiter zivile Ziele anzugreifen. 
Russlands Staatseinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft haben sich im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat halbiert. Sie fielen auf 393,3 Milliarden Rubel (4,3 Milliarden Euro) und damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2020, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Daten des Finanzministeriums in Moskau hervorgeht.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff in der fast vollständig von russischen Streitkräften kontrollierten ostukrainischen Region Luhansk sind nach Angaben der von Moskau eingesetzten Behörden zwei Menschen getötet worden. Es handele sich um einen jungen Mann und eine 20 Jahre alte Frau, erklärten die örtlichen Behörden am Mittwoch.
Nach einem massiven Raketenangriff ist es in der russischen Stadt Belgorod und Teilen der gleichnamigen Region zu einem großflächigen Stromausfall gekommen. Das berichtete der Telegram-Kanal „Pepel". Demnach wurden am Dienstag zwei zentrale Umspannwerke im Raum Belgorod getroffen.
Die russische Armee hat im Januar nach ukrainischen Angaben regelmäßig Spezialmunition mit chemischen Reizstoffen eingesetzt. Insgesamt seien 224 Fälle des Einsatzes gefährlicher chemischer Substanzen dokumentiert worden, teilte das Kommando der Unterstützungskräfte der ukrainischen Streitkräfte am 4. Februar mit. 
Nach der Wiederaufnahme der russischen Angriffe auf die Ukraine hat US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung des Krieges aufgerufen. „Ich will, dass er den Krieg beendet", sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) vor Journalisten im Weißen Haus. 

Hintergrund und Analyse

ARCHIV - 27.01.2026, Ukraine, Odessa: Rettungskräfte beseitigen die Trümmer eines Wohnhauses, das nach einem Raketeneinschlag in Odessa schwer beschädigt wurde. (zu dpa: «Angriffspause für das kalte Kiew? Kreml folgt Trumps Bitte») Foto: Michael Shtekel/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Deutschland ist militärisch einer der größten Unterstützer der Ukraine. Nach einem möglichen Ende des Krieges locken profitable Investitionen.

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