Ein Newsletter zum Krieg in der Ukraine - direkt aus dem Tagesspiegel-Newsroom.
Kreml erteilt Sicherheitsgarantien für die Ukraine erneut Absage, EU besiegelt Ausstieg aus russischem Erdgas, Ukraine trifft russische Ölraffinerie. Der Überblick am Abend.
Liebe Leserinnen und Leser, | | wie zuverlässig sind die USA noch als Nato-Partner? Diese Frage werden sich die Verbündeten aufgrund der teils konfrontativen Haltung von Präsident Donald Trump gegenüber der Ukraine, und nicht zuletzt aufgrund seiner imperialistischen Ambitionen in Grönland, bereits gestellt haben. Nicht weniger wichtig ist auch die Frage, die daraus folgt: Wäre Europa in der Lage, genügend eigene Waffen herzustellen, um unabhängig von den USA zu kämpfen? Bis dahin soll es noch ein weiter Weg sein, berichtet das „Wall Street Journal". | | Die Kosten für den Ersatz der derzeitigen militärischen Ausrüstung und des Personals der USA in Europa würden sich demnach auf rund eine Billion US-Dollar belaufen. In der Fertigungskapazität Europas bestehen dem Bericht zufolge weiterhin einige Lücken – darunter Kampfflugzeuge, Langstreckenraketen und Satellitenaufklärung. | | Zwar hat Europa in den letzten Jahren seine Rüstungsproduktion gesteigert, doch verfügt die Industrie derzeit nicht über die Kapazitäten der USA, die durch den weltweit größten Militärhaushalt finanziert werden. | | Nur in einigen wenigen Fällen hat die europäische Produktion die der USA bereits übertroffen. Allein Rheinmetall wird bald in der Lage sein, 1,5 Millionen 155-mm-Artilleriegeschosse pro Jahr zu produzieren, mehr als die gesamte US-Verteidigungsindustrie zusammen. Europa liefert zudem fast ausschließlich seine eigenen gepanzerten Fahrzeuge. Die Region stellt auch alle ihre Schiffe und U-Boote selbst her. | | Ein Wendepunkt, an dem sich Europa von den USA abwenden könnte, sei allerdings noch nicht erreicht, sagen Experten. „Könnte Europa sich bewaffnen? Ja, aber erst mit der Zeit", sagt Matthew Savill, Direktor des Thinktanks Royal United Services Institute, dem „Wall Street Journal". „Das Volumen ist noch nicht da – und wir müssen akzeptieren, dass die Ausrüstung in einigen Bereichen nicht so gut ist." | | Die wichtigsten Nachrichten des Tages | | | • | Angeblich haben ukrainische und russische Unterhändler am Wochenende auf Vermittlung der USA in Abu Dhabi „konstruktive" Gespräche über den Krieg geführt. Doch nun erteilt der Kreml Sicherheitsgarantien für die Ukraine mal wieder eine Absage. Mehr dazu hier. | | • | Die EU-Staaten haben den vollständigen Ausstieg aus russischem Erdgas bis Ende 2027 gegen den Widerstand von Ungarn und der Slowakei endgültig besiegelt. Die zuständigen Minister verabschiedeten das entsprechende Gesetz am Montag bei einem Treffen in Brüssel. Mehr dazu im Newsblog. | | • | Moskau intensiviert offenbar die Maßnahmen, um dem demografischen Wandel und der zunehmend überalternden und schrumpfenden Bevölkerung im eigenen Land zu begegnen. Das geht aus einem Geheimdienstbericht des Londoner Verteidigungsministeriums hervor, der am Montag via X veröffentlicht wurde. Mehr dazu hier. | | • | Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht die Ölraffinerie Slawjansk Eko in der südrussischen Region Krasnodar mit Drohnen angegriffen. Im Zielgebiet sollen Explosionen zu hören gewesen sein. Ersten Informationen zufolge seien Teile einer Ölverarbeitungsanlage getroffen worden. | | • | Die russischen Streitkräfte konzentrieren ihre Hauptanstrengungen derzeit auf die Frontabschnitte bei Pokrowsk und Otscheretyne, wo die operative Lage weiterhin schwierig ist. Allein in der vergangenen Woche kam es dort zu rund 400 Gefechten, wie der Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, Oleksandr Syrskyj, auf Facebook mitteilte. | | • | Nato-Generalsekretär Mark Rutte ruft die EU-Staaten zu Flexibilität bei der Verwendung des 90-Milliarden-Euro-Kredits für die Ukraine auf. Die Europäische Union sollte nicht um jeden Preis darauf bestehen, dass die Mittel nur für den Kauf von Rüstungsgütern aus der EU verwendet würden nach dem Motto „Buy EU", sagt Rutte EU-Abgeordneten. | | • | Der Anteil von Frauen unter den Bewerbern an den militärischen Hochschulen der Ukraine ist im Jahr 2025 auf 22,5 Prozent gestiegen. Das sind 3,5 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2024, erklärte der zuständige Direktor im Verteidigungsministerium, Oberst Maksym Kasjanenko. | | • | Estlands Außenminister Margus Tsahkna hat die jüngsten Äußerungen von Altkanzler Gerhard Schröder und Warnungen vor einer „Dämonisierung" Russlands scharf kritisiert. Aufrufe, ein Land, das den brutalsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg führt, nicht zu dämonisieren, seien „schlichtweg entsetzlich". Mehr dazu hier. | | • | Bundesaußenminister Johann Wadephul hat eine verbesserte länderübergreifende Widerstandsfähigkeit im Ostseeraum angemahnt. Dieser werde vermehrt zum Ziel hybrider Angriffe aus Russland, etwa durch zerstörte Unterseekabel, Schiffe der Schattenflotte und Angriffe auf Offshore-Windparks, sagte Wadephul am Montag. | | • | Russland nutzt seit Jahren Interpol, um Regimekritiker im Ausland international zur Fahndung ausschreiben zu lassen. Dies geht aus einer Recherche der BBC hervor. Laut dem Bericht betreffen die russischen Anträge vor allem politische Gegner, Journalisten und Unternehmer, die sich außerhalb Russlands aufhalten. | | | | | | | | Russland führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dennoch spionieren Ukrainer für Putin – auch in der Bundesrepublik. Was treibt sie an und wie gefährlich sind sie? | | | | | | | Der US-Präsident erschüttert mit seinen Drohungen die Allianz. Deshalb möchte Europa die eigene Fähigkeit zur Verteidigung ausbauen. Doch auch die Amerikaner sind auf die Nato angewiesen. | | |
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