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+ Selenskyj prangert die Schwäche Europas an + Treffen zwischen ukrainischen, russischen und US-Delegationen an diesem Wochenende geplant + Deutschland weist russischen Militärattaché aus +

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Treffen zwischen ukrainischen, russischen und US-Delegationen an diesem Wochenende geplant. Deutschland weist russischen Militärattaché aus. Der Überblick am Abend.

Liebe Leserinnen und Leser,

bis zum letzten Moment ließ der ukrainische Präsident offen, ob er nach Davos reisen würde. Dann fuhr er doch hin und ließ eine Bombe platzen.

Als hätten die Europäer in den vergangenen Wochen nicht schon genug Schmähungen erlitten, griff nun auch Wolodymyr Selenskyj seine Verbündeten scharf an: „Europa diskutiert gern über die Zukunft, scheut sich aber davor, heute zu handeln – Handlungen, die darüber entscheiden, welche Art von Zukunft wir haben."

Schon im vergangenen Jahr habe er in seiner Rede in Davos gesagt, Europa müsse sich verteidigen können. Seitdem habe sich nichts geändert. Europa habe nicht einmal versucht, eine Antwort auf die brutale Niederschlagung der Proteste im Iran zu finden. Es habe sich nicht dazu durchringen können, die eingefrorenen russischen Vermögen für einen Kredit an die Ukraine zu verwenden. Und: „Warum kann Präsident Trump russische Tanker stoppen, aber Europa kann das nicht?"

Ähnlich wie der US-Präsident machte sich Selenskyj über die Solidaritätsbekundungen europäischer Staaten lustig, die nur 40 Soldaten zur Verteidigung Grönlands geschickt haben. Was wolle man damit sagen? „Welche Botschaft geht an Putin, an China, und vor allem: Welche Botschaft sendet es an Dänemark, den wichtigsten engen Verbündeten?", sagte Selenskyj.

Egal, ob es um Tomahawks, Taurus oder das Verhältnis zwischen der Türkei und Griechenland gehe – die Europäer seien immer bemüht, andere nicht zu verärgern, und sprächen deshalb Wahrheiten nicht aus. Das bremste den Kontinent aus.

„Anstatt weltweit eine Vorreiterrolle bei der Verteidigung der Freiheit zu übernehmen, insbesondere wenn Amerikas Fokus sich auf andere Themen verlagert, wirkt Europa verloren, während es versucht, den US-Präsidenten zu überzeugen, sich zu ändern", sagte Selenskyj. „Aber er wird sich nicht ändern."

Europäische Regierungschefs sagten zwar, dass Europa stark sein müsse. „Aber sie wollen immer, dass ihnen jemand anderes sagt, wie lange sie stark bleiben müssen – vorzugsweise bis zur nächsten Wahl." Und insgeheim hofften sie, dass doch jemand anderes sie verteidigen würde. Großmächte handelten so nicht, sagte Selenskyj.

Er schloss seine Rede mit einem Appell: In einem Jahr wolle er in Davos nicht wieder die gleiche Rede halten müssen. „Man kann die neue Weltordnung nicht mit Worten aufbauen", sagte der ukrainische Präsident. „Nur Taten schaffen echte Ordnung."

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

22.01.2026, Schweiz, Davos: US-Präsident Donald Trump (r) schüttelt dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor Beginn eines bilateralen Treffens am Rande des jährlichen Weltwirtschaftsforums (WEF), die Hand. Foto: Ukraine Presidency/Ukrainian Pre/Planet Pix via ZUMA Press Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trafen sich heute am Rande des jährlichen Weltwirtschaftsforums.

Vertreter der USA, der Ukraine und Russlands sollen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erstmals zu einem trilateralen Treffen mit einer US-Delegation zusammenkommen. Dies solle an diesem Freitag und Samstag in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, wie Selenskyj auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos sagte. Mehr hier.
Nach der Festnahme einer mutmaßlichen Spionin für Russland mit deutscher und ukrainischer Staatsangehörigkeit hat die Bundesregierung ihren Führungsoffizier, den stellvertretenden Militärattaché der russischen Botschaft, ausgewiesen. Die mutmaßliche Spionin kam unterdessen in Untersuchungshaft. Mehr hier.
Russland will bei einer möglichen Teilnahme an dem von US-Präsident Donald Trump geplanten „Friedensrat" eine Milliarde US-Dollar aus seinem in den USA eingefrorenen Vermögen beisteuern. Washington müsse die blockierten Gelder freigeben, wenn sie für humanitäre Zwecke zum Wiederaufbau des Gazastreifens genutzt werden sollten, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Mehr hier.
Beim Treffen zwischen Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist nach Angaben des US-Präsidenten kein Durchbruch für ein Ende des Kriegs in der Ukraine gelungen. Man habe „noch einen Weg vor sich", sagte er vor Reportern im Schweizer Alpenort Davos. Mehr im Newsblog.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete sein Treffen mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump in Davos als produktiv. Er habe mit Trump über Fortschritte bei den Friedensgesprächen und Lieferungen für die Luftabwehr gesprochen, schrieb Selenskyj auf X. 
Russlands Ölförderung ist im vergangenen Jahr trotz westlicher Sanktionen und ukrainischer Drohnenangriffe nur leicht gesunken. Die Produktion schrumpfte um 0,8 Prozent im Vergleich zu 2024 auf 10,28 Millionen Barrel pro Tag, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten hervorging. 
Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben das russische Ölterminal Tamanneftegas in der südlichen Region Krasnodar angegriffen. Der Generalstab nennt keine weiteren Einzelheiten, erklärt aber, die Anlage liefere Treibstoff an die russische Armee. 
Der finnische Militärgeheimdienst rechnet laut „Reuters" damit, dass Russland weiter versuchen wird, kritische Infrastruktur von Nato-Staaten in der Ostsee zu sabotieren. Hintergrund sind seit 2022 zunehmende Zwischenfälle mit beschädigten Unterseekabeln, Energie- und Kommunikationsleitungen.
Die ukrainische Luftwaffe soll im nördlichen Frontgebiet einen präzisen Angriff auf eine russische Truppenansammlung durchgeführt haben. Laut dem Portal „Censor.NET" zerstörte eine von einer modernisierten MiG‑29MУ1 abgeworfene Bombe ein Versteck, in dem sich russisches Personal gesammelt haben soll, offenbar zur Vorbereitung weiterer Angriffe. 
Die USA könnten der Ukraine bei Zustimmung für einen Friedensplan im russischen Angriffskrieg erlauben, zollfrei in die USA zu exportieren. „Das könnte ein Gamechanger sein. Stellen Sie sich vor, wie die Industrie in großem Maßstab in dieses Gebiet umzieht", sagte der US-Unterhändler Steve Witkoff bei einer Diskussionsveranstaltung beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
Die Gespräche zur Beendigung des Krieges in der Ukraine sind nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff weit fortgeschritten. Es gebe nur noch „ein einziges Problem" zwischen Kiew und Moskau, sagte Witkoff am Donnerstag. Details nannte er nicht.
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach einem russischen Luftangriff in dieser Woche rund 3000 Wohnblöcke weiter ohne Heizung. Dies teilt Bürgermeister Vitali Klitschko über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. 

Hintergrund und Analyse

22.01.2026, Schweiz, Davos: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht während einer Plenarsitzung in der Kongresshalle beim 56. jährlichen Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF). Das Treffen unter dem Motto "A Spirit of Dialogue" bringt Unternehmer, Wissenschaftler, Wirtschaftsführer und Politiker in Davos zusammen und findet vom 19. bis 23. Januar in Davos statt. Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In Davos skizziert der Bundeskanzler eine neue Welt der Großmächte und stimmt den Kontinent auf Reformen ein. Die Grönland-Krise will er als Chance verstanden wissen.

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